Artikelreihe - Teil 1: Ökosystem Wald
Der AK Ökologie veröffentlicht euch hier und im Verbandszeug eine Artikelreihe zu den Ökosystemen. Den Auftakt macht das Ökosystem Wald, der zweite Teil zum Ökosystem Wiese folgt im
August 2008.
Erlebniswelt Wald
In einer Artikelreihe möchten wir euch gerne die drei Erlebniswelten Wald, Wiese und Wasser vorstellen. Hier findet ihr Wissenswertes, Spielideen und nützliche Adressen, Links und Tipps.
Weitere Informationen findet ihr hier auf unserer Homepage!
Ich seh’ den Wald vor lauter Bäumen nicht…
Natürlicher Weise wären unsere Wälder zu zwei Dritteln Buchenwälder. Das liegt daran, dass die Buche ein sehr dichtes Kronendach ausbildet, in dessen Schatten nur die eigenen Nachkommen
aufwachsen können. Dadurch würde sich der reine Buchenwald eigentlich relativ stark ausbreiten, aber durch Jahrhunderte lange (Über-) Nutzung haben sich unsere Wälder stark verändert. Fast
alle unsere Wälder sind mittlerweile Wirtschaftswälder die in privatem oder staatlichem Besitz sind.
Die deutschen Wälder bestehen zu fast 60% aus Nadelwald, während Laubwald nur ein Drittel ausmacht. Unter den Nadelbaumarten dominieren Fichten und Kiefern das Waldbild, wohingegen Buchen
im Laubwald dominieren (andere wichtige Laubbäume sind Eiche, Esche, Ahorn) und insgesamt knapp 15% der Gesamtwaldfläche ausmachen.
Diese Artenzusammensetzung lässt sich vor allem auf forstwirtschaftliche Interessen zurückführen. Eine Buche braucht ca. 120 Jahre bis sie ihr Zielalter erreicht hat, Kiefern und Fichten
brauchen hingegen „nur“ 60 Jahre bis zum Erreichen ihrer Zielstärke. Dadurch ist es für einen Förster viel profitabler, auf Nadelholz zu setzen. Vor allem die Fichte ist in vielen Wäldern
nach wie vor der „Brotbaum“ des Försters, der den größten Gewinn abwirft. Die Probleme die mit ihrem Anbau einhergehen sind den meisten spätestens seit dem Sturm „Kyrill“ bekannt. Fichten
sind einfach nicht so resistent gegen Windwurf und außerdem kommt es im Flachland zu teilweise massiven Befall durch den Borkenkäfer, der große Schäden in Fichtenwäldern anrichten kann. Mit
zunehmender Klimaerwärmung wird es die Fichte immer schwerer haben, in tieferen Lagen zu überleben und muss durch stabile Mischwälder ersetzt werden.
Nutzung
Der Wald wird seit Jahrtausenden auf unterschiedlichste Art und Weise genutzt. Die wichtigste Nutzungsform der letzten Jahrhunderte ist die Holzgewinnung, sowohl zum Bauen vor allem jedoch
zum Verfeuern. Es gibt bzw. gab noch viele andere Nutzungsformen, die vielen Menschen entweder nicht bekannt oder zumindest nicht bewusst sind, wie zum Beispiel die Waldweide oder der
Niederwald, der durch das ständige Nutzen der Stockausschläge entstanden ist. In Deutschland werden jedes Jahr 65 Mio. m³ Holz nachhaltig genutzt. Diese Menge entspricht aber nur zu ca. 3/4
dem jährlichen Zuwachs, wodurch die Holzvorräte im Wald stetig anwachsen. Das Holz wird v. a. als Bauholz, aber auch für die Möbel- und Papierherstellung sowie als Brennholz genutzt. Die
Einnahmen aus dem Holzverkauf bilden mit ca. 90% des Gesamteinkommens die wirtschaftliche Grundlage der meisten Forstbetriebe.
Erholung
Als Ort für Naherholungsaktivitäten genießt der Wald nach wie vor einen hohen Stellenwert. Ob Spazieren, Radfahren oder Picknick - der Wald ist sehr beliebt und das hat viele gute Gründe.
Im Wald kann sich ein jeder gut entspannen. Das liegt nicht nur an der gedämpften Lärmkulisse und der guten Luft, sondern auch daran, dass Grün beruhigend wirkt. Wer mag es nicht auch, sich
im Wald auf einer sonnigen Lichtung an eine dicke Eiche zu lehnen und dem Klopfen der Spechte zu lauschen! Dies sind Gründe, warum es immer mehr Waldkindergärten gibt, in denen die
Kinder den ganzen Tag im Freien verbringen können.
Leckereien
Neben Holz bietet der Wald viele andere Produkte, so genannte „Nichtholzprodukte“. Das wichtigste dieser Produkte ist Wildfleisch. Ob Reh, Hirsch oder Wildschwein, ein jeder hat schon mal
eines dieser Gerichte auf der Speisekarte gesehen und vielleicht sogar gegessen. Dank relativ großer Wildbestände - die Jahresstrecke in Deutschland liegt bei ca. 1 Mio. Rehen, 300.000
Wildschweinen und 100.000 Hirschen - ist Wildfleisch und der Verkauf von Abschusslizenzen für viele Waldbesitzer eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle geworden. Auch die
Verbraucher profitieren, denn Wild lebt artgerecht und wird nicht geimpft. Wildfleisch stellt somit ein hochwertiges Lebensmittel dar, mit dem kein Mastschwein konkurrieren kann. Es gibt
noch weitere Nahrungsmittel die der Wald bereitstellt. Zwar kennt längst nicht mehr jeder die essbaren Pilze, dennoch sind frische Waldpilze nach wie vor eine beliebte Delikatesse und auch
Blau- und Preiselbeeren stellt der Wald kostenlos zur Verfügung. Nicht zu vergessen der schmackhafte Waldhonig.
Recyclingpapier als Klimaschutz
Durch die Verwendung von Recyclingpapier mit dem Siegel des Blauen Engels könnte jeder bequem und kostengünstig einen spürbaren Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten. Aber warum
gerade der Blaue Engel?
Dieses Papier setzt höchste ökologische Standards und ist mit Abstand das anspruchsvollste Umweltzeichen. Für die Herstellung wird ausschließlich 100% Altpapier verwendet und auf
Chemikalien verzichtet. Dadurch können wichtige Ressourcen wie Wasser und Energie geschont, sowie CO2 eingespart werden. Um den Markt für Schulmaterialien aus Recyclingpapier ist es jedoch
nicht gut bestellt. Von bundesweit 200 Millionen Schulheften nehmen umweltfreundliche Varianten aus Recyclingpapier nur noch 5 -10% ein und selbst dieser schwache Anteil ist nicht stabil.
Dabei ist jedoch der Papierverbrauch seit 1950 um das sechsfache angestiegen, was zur Folge hat, dass jeder fünfte Baum weltweit heute in der Papiermühle landet.
Was können wir tun?
Wir können bewusst wiederverwertetes Altpapier kaufen und auf das weiße, chlorgebleichte Frischpapier verzichten. Selber Papier schöpfen, Briefumschläge aus Altpapier oder die Beachtung von
Einkaufshelfern bieten eine gute Möglichkeit, Kinder mit diesem Thema vertraut zu machen. Unter www.dpsg-muenster.de findet ihr neben einer Liste
der Papiersiegel dazu die nötigen Infos.
Links
www.naturschatz.org/kanada/download/papier-printversion.pdf
www.treffpunkt-recyclingpapier.de/schule/papierlabel/wuerfelseite5.shtml
www.treffpunkt-recyclingpapier.de/initiative/einkaufshilfe/papierlabel_bewertung.pdf
Spielideen
Wo ist der Wald vor lauter Bäumen?
Bei diesem Spiel bilden zwei Kinder ein Paar. Einem Kind werden die Augen verbunden, während das andere seinen Partner durch den Wald führt. Das sehende Kind sucht sich einen Baum aus, der
ca. 100 m entfernt vom Ausgangspunkt entfernt steht. Ziel ist es, dass das blinde Kind am Ende der Führung den Baum sowie den Weg dorthin wieder erkennt. Dinge wie Baumstümpfe, Sträucher
und andere Bäume sollten deswegen während der Führung als Wegweiser einbezogen werden. Dem blinden Kind sollte genügend Zeit eingeräumt werden, den Baum ihrer Wahl am Schluss ausgiebig zu
befühlen. Hinweise auf Struktur der Rinde, Schräge des Stammes und Wurzeln ermöglichen das Wiederfinden des richtigen Baumes. Am Ausgangspunkt angelangt, wird die Augenbinde abgenommen und
der ehemals blinde Mitspieler macht sich auf die Suche nach dem Baum. Anschließend werden die Rollen getauscht und das Spiel beginnt von vorn.
Barfußraupe
Für dieses Spiel braucht ihr Augenbinden und eine etwa 100 m lange Strecke mit unterschiedlichem Bewuchs und Bodenbelägen. Die Barfußraupe setzt sich aus euren Gruppenkindern zusammen, die
mit verbundenen Augen, die eine Hand auf der Schulter des Vorgängers gelegt, vorsichtig den ausgewählten Weg gehen. Als Gruppenleiter übernehmt ihr die Führung. Während der Wanderung sollte
nicht geredet werden und die Konzentration auf das Erfühlen der Umgebung liegen. Mit unterschiedlichen Erfahrungsschwerpunkten wie Tasten, Hören und Riechen könnt ihr Abwechslung ins Spiel
bringen.
Vor dem Abnehmen der Augenbinden stellen sich die Kinder so hin, dass sie freie Sicht auf den zurückgelegten Weg haben und weder sich gegenseitig noch den Leiter anschauen. Die Kinder
können nun ihren Orientierungssinn prüfen und erzählen was sie gefühlt haben. Wie fühlen sich danach die Füße in den Schuhen an?
Das Memmorie
Wolltet ihr euch schon immer mal besser mit den Bäumen auskennen? Welcher Name, welches Blatt und welche Frucht zu welchem Baum gehört? Dann bastelt Euch selbst ein Bäumememmorie!
Sammelt selbst Früchte wie Bucheckern, Eicheln, Ahornsamen, Zapfen und Blätter von Bäumen, bestimmt und trocknet sie. Die Früchte legt ihr in Filmdöschen, während die Laubblätter auf
Pappstücke geklebt werden können. Der jeweilige Name des dazugehörigen Baumes wird beim Laub auf die Rückseite der Pappe und bei der Frucht auf die Rückseite des Deckels geschrieben. Jetzt
könnt ihr gucken, ob Euer Gedächtnis alles behalten hat: welche Frucht gehört zu welchem Blatt? Und von welcher Baumart stammen sie? Wissen die Erwachsenen mehr als die Kinder?
Viele weitere Spielideen findet Ihr in dem Buch „Mit Cornell die Natur erleben“.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
euer ÖKO-AK
Esther Boekee