1. Wo bist/warst du bei der DPSG aktiv und welches politische Amt hast du inne?    Ich komme aus dem Stamm „Anne Frank & Martin Luther King“ in Bochum-Harpen (DV Essen) […]

1. Wo bist/warst du bei der DPSG aktiv und welches politische Amt hast du inne?   
 
Ich komme aus dem Stamm „Anne Frank & Martin Luther King“ in Bochum-Harpen (DV Essen) und bin im Medienteam der DPSG Bundesverbandes aktiv.  
In den benachbarten DV Münster bin ich während meiner Zeit als hauptamtlicher Medienreferent im Diözesanbüro (2008-2013) gekommen und bin gerne ehrenamtlich in der Friedenslicht AG im Bistum Münster dabei geblieben 😊 
Seit 21 Jahren bin ich Mitglied der Bezirksvertretung Bochum-Nord und leite dort seit 15 Jahren die Bezirksfraktion „Die GRÜNEN“. Die Bezirksvertretung wird in der Regel alle fünf Jahre bei den Kommunalwahlen der Stadt Bochum gewählt und vertritt die Interessen von ca. 36.500 Bürger*innen im Bochumer Norden.  

   

2. Wie fließt deine pfadfinderische Erfahrung in dein politisches Amt ein?   
 
Rückblickend kann ich sagen, dass ich ohne mein Engagement in der Schüler*innenvertretung und als Leiter in der DPSG das ehrenamtliche politische Mandat nicht ausüben könnte. Demokratie und Mitbestimmung habe ich nach der Schule vor allem beim Pfadfinden gelernt, ebenso Teamarbeit und sogar das Reden vor großen Gruppen.   
 
Als Assistant Leader Trainer habe ich, zum Beispiel bei Woodbadgekursen, immer wieder gerne den Prozess begleitet, wenn eine Gruppe (junger) Erwachsener versucht, sich auf ein gemeinsames Projekt zu einigen. Die Lokalpolitik lebt von vielen kleinen Einigungen, aber vor allem von Kompromissen. Zwar läuft es „in der Realität“ der Politik oft nicht so gut wie bei WBKs, die Mitwirkenden sind deutlich älter und ihr Handeln ist bei weitem nicht so glamourös und medienwirksam wie die Landes- und Bundespolitik. Aber gerade in der Lokalpolitik (z.B. bei Ablehnung einer neuen Straße mitten durch einen Grünzug) müssen immer wieder neue Wege und Mehrheiten gefunden werden.  Ebenso wie in der Leiterrunde im Stamm oder bei der Bezirks- und Diözesanarbeit. Umso wichtiger finde ich, dass Jugendverbände wie die DPSG in den Jugendhilfeausschüssen der Kommunen und Kreise vertreten sind. Erhebt dort eure Stimme und bringt euch ein, die Politik und Verwaltung brauchen eine „Stimme für die Jugend“.  
   

3. Gab es schon einmal Konfliktpunkte zwischen deinen Entscheidungen, die du als Politiker treffen musstest und deinen pfadfinderischen Ansichten?   

  

Bewahrung der Schöpfung, dieses Thema ist mir seit meiner Zeit in Pfadfinderstufe besonders wichtig. Sicherlich hat dies auch zu meinem Entschluss beigetragen – nach einem Schulpraktikum – der GRÜNEN Partei (und nicht der CDU) beizutreten und 1999 erstmals für sie zu kandidieren. Wenn es in der Lokalpolitik darum geht, zwischen dem Neubau von Wohnungen und dem Schutz von Grünzügen abzuwägen, ist dies keine einfache Entscheidung. Es gilt Umwelt- und Klimaschutz mit Sozial- und Wohnungspolitik abzuwägen oder konkret: Allen Menschen ein zu Hause zu ermöglichen, aber gleichzeitig die „grüne Lunge“ und die Landschaftsschutzgebiete zu erhalten. Egal ob in der Leiterrunde oder bei einer politischen Partei. Es geht um „gute Taten“, um Herzblut und vor allem darum, sich und seinen Zielen und Werten treu zu bleiben. Dies probiere ich bei jeder Sitzung aufs Neue, auch wenn man als GRÜNER in einer Großstadt mit 400.000 Bürger*innen zuweilen Kröten von SPD, CDU und FDP schlucken muss.  
 
Bei einer Sache bleibe ich aber hart: Gerade als DPSG-Mitglied lehne ich Parteien, wie die AfD, die jetzt leider am 13. September in die Lokalparlamente (Bezirksvertretungen / Stadtrat) in Bochum reingewählt wurde, klar ab. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, hat aber auch seine Grenzen, wenn sie die freiheitlich demokratische Grundordnung verletzt wird. Hier sollten wir alle wachsam bleiben und gemeinsam „gegen die Drachen unserer Zeit“ ankämpfen. Gut Pfad!

Über den*die Autor*in

Christian Schnaubelt