Wir alle kennen das: Die Stimmung im Lager ist super, die Gruppenstunde war ein voller Erfolg, oder die Jahresplanung steht kurz vor der Verabschiedung. Irgendwer hat eine super Idee eingebracht, einen Vorschlag zur Abstimmung gestellt, oder einfach nur seine Meinung kundgetan. Und dann kommt es, dieses kleine, fiese, argumentationszerstörende Wort, das die Diskussion stört, als habe jemand seinen Tee ins Lagerfeuer geschüttet: „Aber“.
In einer Zeit, in der Mitbestimmung in unseren Stämmen und auf allen Ebenen immer größer geschrieben wird, ist die Qualität unserer Diskussionen entscheidend. Wir wollen gute, respektvolle Debatten führen. Doch das „Aber“ ist oft der akustische Ausdruck des Totschlagarguments. Es ist das kleine Arschloch unter den Konjunktionen, das jedes vorher Gesagte augenblicklich entwertet.
Wenn wir argumentieren, versuchen wir, Brücken zu bauen, gemeinsame Lösungen zu finden oder wenigstens die Perspektive des anderen zu verstehen. Mit einem „Aber“ wird diese Brücke mit einem Schlag wieder eingerissen.
Stell dir vor, im Lager wird die Idee eines veränderten Morgenrituals diskutiert:
Gut gemeinter Vorschlag: „Ich finde, die Idee, jeden Morgen ein anderes WUP auszuprobieren ist super, weil wir da endlich mal was Neues kennen lernen und lustig in den Tag starten!“
Jetzt die „Aber“-Keule: „Das ist ja alles schön und gut, aber das ist total unrealistisch, weil wir dafür gar keine Zeit haben.“
Was passiert hier? Die gesamte positive Würdigung des Vorschlags („super“, „neues kennenlernen“, „Lustig starten“) wird durch das „aber“ in eine bloße Floskel verwandelt, um dann direkt zum eigenen, wichtigeren Einwand überzugehen. Der Sender des ersten Arguments fühlt sich nicht gehört, sondern abgebürstet. Die Diskussion ist auf persönlicher Ebene oft schon verloren, bevor sie weitergeht.
Als Pfadfinder*innen sind wir es gewohnt, uns gemeinsam weiterzuentwickeln. Das gilt auch für unsere Gesprächskultur. Hier sind ein paar Strategien, um das „Aber“ zu vermeiden und respektvoller zu argumentieren:
Die wahrscheinlich wichtigste Technik: Ersetze das entwertende „Aber“ durch das verbindende „und“.
Das „und“ signalisiert: Ich habe dich gehört, ich stimme dir in deinen Punkten zu, und ich füge eine neue Herausforderung oder einen weiteren Aspekt hinzu, den wir gemeinsam lösen müssen. Es ist der Unterschied zwischen Kritik und konstruktiver Weiterentwicklung. Es hält die Diskussion im Fluss und auf Augenhöhe.
Manchmal ist das „Aber“ tief in unserem Sprachgebrauch verankert. Wenn du einen Einwand hast, aber zuerst etwas Positives sagen möchtest, trenne die beiden Teile bewusst:
Indem du die Argumente trennst, wird die positive Rückmeldung nicht als bloße Einleitung für die Kritik missbraucht, sondern steht für sich. Du zeigst echten Respekt.
Manchmal ist der Einwand rein subjektiv oder basiert auf einer persönlichen Sorge. Formuliere ihn so:
Du sprichst von deiner Perspektive, nicht von einer absoluten Wahrheit. Das schafft einen Raum für Verständnis und einen weniger konfrontativen Austausch.

Mitbestimmung lebt davon, dass unterschiedliche Meinungen auf den Tisch kommen. Aber sie stirbt, wenn sich die, die eine Minderheitenposition vertreten, nicht ernst genommen fühlen.
Wenn wir lernen, das innere „Aber“ zu zähmen und stattdessen achtsamer argumentieren, verändern wir nicht nur unsere Sprache, sondern unsere innere Einstellung. Wir zeigen, dass wir die Ideen des anderen nicht nur hören, sondern würdigen und integrieren wollen.