2016 war ich als Au Pair in Neuseeland. Über Facebook bin ich kurz nach meiner Ankunft mit einer Rovercrew (18-26 Jahre) in Kontakt gekommen, von denen auch einige Gruppenleiterfunktionen in verschiedenen Stämmen übernommen haben. (Rovercrews sind in Neuseeland stammesunabhängig und haben keine Leiter oder Begleiter). Nachdem ich eine gute Freundin, Jodie, einen Nachmittag begleitet habe, an dem sie bei einer Keagruppenstunde (5-7 Jahre) ausgeholfen hat, habe ich entschieden über längere Zeit dort eine Leiterfunktion zu übernehmen.
Allgemein werden Ehrenämter, insbesondere Pfadfinder, sehr hoch gehalten in Neuseeland und weitreichend gefördert und gewünscht. Meine Gastmutter hat das ganze sehr unterstützt und hat mir sehr viel Freiraum gegeben, dieses auszuführen. Auch „meine Kinder“ waren sehr fasziniert von meinem Engagement. Zudem war der Respekt, den mir alle Leute entgegengebracht haben, insbesondere vor der Rolle, welche ich ganz selbstverständlich eingenommen habe und die für viele so weit außerhalb der Komfortzone erschien, etwas komplett Neues für mich. Viele waren beeindruckt, dass ich die Herausforderung in einem fremden Land mit einer Sprache, die nicht meine Muttersprache ist, in so einem jungen Alter (zu dem Zeitpunkt 18/19 Jahre) so einfach annahm und darin aufging.
In dem Pfadfinderstamm Whenuapai Air Scouts wurde ich direkt mit offenen Armen begrüßt. Kat und Ian, meine neuen Mitleiter, haben mich sehr herzlich aufgenommen und auch die Eltern der Keas waren sehr begeistert von dem Internationalen Einfluss, den ich somit einbrachte.
Die Kinder selbst, wie Kinder eben so sind, haben mich ganz natürlich empfangen und haben mir immer begeistert erzählt, wenn sie etwas deutsches gesehen haben oder jemand anderes Deutsches getroffen haben.
Als mein Auslandsjahr sich dann dem Ende neigte, waren alle sehr traurig und die Kinder konnten sich gar nicht vorstellen, dass ich dann einfach weg wäre.
Kat, mit der ich mich dadurch richtig angefreundet habe, erzählt mir bis heute davon, dass die Kinder immer nach mir fragen und sagen „Du musst Esther dies erzählen“ oder „Kannst du Esther das fragen?“.
Rückblickend war es eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe. Durch die Erfahrungen und großartigen Erlebnisse, die ich machen durfte, habe ich sehr viel gelernt und konnte eine ganz neue Sicht auf „Pfadfinden international“ bekommen. Ich kann jedem nur ans Herz legen, die Möglichkeiten, die das Pfadfindersein, Teil einer internationalen Gemeinschaft zu sein, gleiche Ideen und Werte zu teilen, mit sich bringt, zu sehen und diese zu nutzen, um über den Tellerrand „DPSG“ hinauszusehen.
Oder wie BiPi schon sagte: „Wenn wir mit unseren Nachbarn in fremden Ländern und Übersee Freundschaft schließen und wenn sie unsere Freundschaft erwidern, so werden wir nicht das Verlangen haben, gegen sie zu kämpfen. Das ist bei weitem die beste Methode, um künftige Kriege zu verhindern und einen dauerhaften Frieden zu sichern.“