Ein Kind spricht auf einer Demonstration in ein Megafon.

KjG – Demokratie braucht Kindermitbestimmung

Kindermitbestimmung ist eines der drei dauerhaften Profilthemen der KjG. Jens Böse, Diözesanleiter im Bistum Münster erklärt euch, wie der demokratische Jugendverband Partizipation und Teilhabe der Mitglieder auf allen Ebenen lebt.

Demokratisch und gleichberechtigt wählen alle Mitglieder altersunabhängig die Leitungen und entscheiden über die Inhalte und Arbeitsformen des Verbandes.“

Auszug aus den Grundlagen und Zielen der Katholischen jungen Gemeinde (KjG), denen sich Mitglieder mit ihrem Beitritt anschließen.

Schon seit mehreren Jahren fordern wir die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz sowie eine Absenkung des Wahlalters. Damit das auch alle verstehen gibt’s den zugehörigen Beschlusstexte in kindergerechter Sprache. Auf unserer letzten Bundeskonferenz wurde beschlossen, dass es zukünftig auch für alle Anträge so sein soll!

Aber wie läuft es denn letztlich im Alltag ab? Schließlich lassen sich die besten Theorien in der Praxis nicht immer so einfach umsetzen. Nachfolgend gibt’s einen Rundumblick über die Arbeit der KjG im Themenbereich Kindermitbestimmung von groß nach klein.

Lautstark – der politische Kinder- und Jugendgipfel

Weil wir wissen, dass Kinder und Jugendliche eine genaue Vorstellung davon haben, wie Zusammenleben in einer Gesellschaft gut funktionieren kann, finden wir es wichtig, auch mit ihnen zu sprechen. Politik und Gesellschaft denken oft nur darüber nach, was Kinder und Jugendliche gut finden. Uns ist deshalb wichtig, sie das selbst zu fragen. Aus diesem Gedanken heraus ist LautStark! entstanden.

Zuletzt fand LautStark! im Oktober 2024 in Würzburg statt. Dort konnten Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 15 Jahren gemeinsam diskutieren, Argumente abwägen und Entscheidungen treffen. Wie die Kinder aktiv werden wollten, konnten sie selbst entscheiden. Dazu gab es die Möglichkeit, zwischen vielen Tatkraft- und Denkfabrik-Workshops auszuwählen. Abschluss der Veranstaltung war eine Demonstration mit anschließender Kundgebung in Würzburg, bei der die Kinder ihre Anliegen selbst in die Öffentlichkeit getragen haben.

Bei LautStark! haben die Kinder und Jugendlichen unter anderem die Themen gesammelt, die sie momentan bewegen und betreffen. Besonders der Klimawandel und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen waren häufig genannte Themen. Für uns als KjG war das Thema psychische Gesundheit so wichtig, dass es auf der letzten Bundeskonferenz zum neuen Schwerpunktthema beschlossen wurde.

Die KjG Kinderstadt – ein Ort der Selbstwirksamkeit

Hinter einer Kinderstadt steckt ein durchdachtes pädagogisches Bildungskonzept. Kinder können spielerisch selbst erfahren, wie eine Gesellschaft funktioniert. Besonderer Fokus liegt auch auf dem Profilthema Kindermitbestimmung. Eine Kinderstadt ermöglicht Kindern, Politik und Demokratie direkt zu erleben. Schwierige Begriffe wie Steuern oder Partizipation werden vermittelt und erfahrbar gemacht. Mit diesen Erfahrungen können die Kinder eigene Werte und Visionen einer gerechten Gesellschaft entwickeln und ausprobieren.

In NRW haben in diesem oder in den letzten Jahren Kinderstädte der KjG der Diözesanverbände Münster, Essen, Köln und Aachen stattgefunden. Dabei ist der grundlegende Aufbau immer ähnlich. Es gibt eine Vielzahl an Betrieben, bei denen die Kinder selbst entscheiden, wo und wie lange sie arbeiten möchten – damit entscheiden sie auch, wieviel Geld sie verdienen. Nachdem die Kinder die Betriebe erkundet haben, können sie in ihrer Freizeit selbst entscheiden, was sie mit dem verdienten Geld machen möchten. Die Kinder bestimmen selbst, wie der Alltag in ihrer Stadt ablaufen soll.

Dabei hilft ihnen der Rat aller Kinder – das Mitbestimmungsgremium, in dem jedes Kind eine Stimme hat. Gewählte Vertreter*innen aus dem Rat erarbeiten aus den Anliegen der Kinder Vorschläge zur Verbesserung des Stadtgeschehens. Darüber dürfen alle Kinder schließlich abstimmen. Nicht zuletzt die Kinderstadt der KjG im DV Münster zeigte was Kindern wichtig ist und dass sie es selbstständig schaffen die Probleme und Anliegen innerhalb eines komplexen Systems zu begreifen und schließlich zu lösen.

Ein Beispiel, welches im Rat aller Kinder thematisiert wurde, ist, dass in der Kinderstadt vermehrt durch Helfende Falschgeld in den Umlauf gebracht wurde. Jedoch wurde sich für den Verzicht der Einführung einer Polizei zu ausgesprochen, schließlich hätten sich ja alle den Werten für ein friedliches Zusammenleben verpflichtet.

Wie so eine Kinderstadt aussieht, kann man sich sehr gut auf unserer Website oder der des Diözesanverbandes Köln anschauen.

Kindermitbestimmung im Alltag – KjG auf Ortsebene


Auch in den Ortsgruppen ist Kindermitbestimmung ein relevantes Thema. Bei den Mitgliederversammlungen hat jedes Mitglied, unabhängig vom Alter eine Stimme. In einigen Ortsgruppen sind Kinder Teil der Ortsleitung. Grundlagen hierfür sind im besten Fall möglichst niedrigschwellige Formate der Mitgliederversammlung. Hierfür werden aktuell durch Arbeitskreise Formate entwickelt, die den Ortsgruppen zur Verfügung gestellt werden. Dies kann eine thematisch aufbereitete Versammlung mit einem Motto und einer (spielerischen) Methodik für Wahlen, Bericht sowie Anträge sein.

Kindermitbestimmung in Gruppenstunden oder im Ferienlager heißt, dass die Kinder in die Entscheidung was läuft, einbezogen werden. Die Kinder überlegen gemeinsam, was sie machen wollen, z. B. Spielen, Basteln, Aktionen, usw. Aus diesen Möglichkeiten wählen sie dann aus und entscheiden sich für konkrete Inhalte.

Gruppenleiter*innen sollten dabei die folgenden Aufgaben beachten:

  • Mit den Kindern Möglichkeiten erschließen, Ideen sammeln
  • Auf Konsensentscheidungen hinwirken
  • Ideen und Vorschläge darstellen – Entscheidungen vorbereiten
  • Für die Umsetzung der Entscheidungen Sorge tragen
  • Reflexionen ermöglichen

Um Partizipation und Teilhabe in Gruppenstunden oder auf Freizeiten zu thematisieren wurde anlässlich von Lautstark eine Methodenmappe veröffentlicht. Aber auch die umfassende Arbeitshilfe für Kindermitbestimmung im Jugendverband der KjG Rottenburg-Stuttgart ist in jedem Fall einen Blick wert!

Hier geht’s zum KjG Diözesanverband Münster.

Titelbild und Bild im Text: KjG Bundesverband
Autorenportrait: Steffen Dennert

Über den*die Autor*in

Portrait von Jens Erik Böse

Jens Erik Böse

Jens ist seit 2023 ehrenamtlicher Diözesanleiter der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) im Bistum Münster. Seit 2006 ist er Mitglied der KjG. Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit auf Bundes- und Diözesanebene organisiert er in der KjG St. Antonius Vluyn Ferienfreizeiten in den Sommerferien.