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Warum Selbermachen so viel Spaß macht.
Im Herbst war unsere Waschmaschine in der WG kaputt. Von heute auf morgen war die Wäsche entweder trocken oder klitschnass. Das, was beim Befüllen oben auf lag, lag auch nach dem Waschgang ganz oben und andersherum. Also rein in die Recherche und nach Gründen gesucht. Ein verstopftes Flusensieb war nicht der Urheber, die Wasserzufuhr und die Pumpe funktionierten auch einwandfrei.
Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben, schon wurde bei ebay nach Ersatz gesucht. Der Besuch im Waschsalon wurde zum wöchentlichen Highlight. (Eigentlich ist so ein Waschsalon ein wirklich spannender Ort.) Und dann viel im Gespräch mit einem Bekannten der Begriff „Keilriemen“. Den könne man wechseln lassen. Sachen machen „lassen“ ist nicht so mein Ding. Was ich eben selber machen kann, mache ich auch selbst. Also habe ich mir ein Video angeschaut, ein Tutorial mit dem klanghaften Titel „Keilriemen bei Waschmaschine wechseln von M1Molter“. Ein beleibter Mann in Unterhemd und Latzhose erklärt einem mit schwäbischem Akzent Schritt für Schritt wie man den Keilriemen wechseln müsse: Waschmaschine aufschrauben, den alten Riemen entfernen, den neuen unten am Antrieb einhängen und dann über das Rad ziehen. Der Mann im Tutorial sagte mehrfach: „Es ist wirklich extrem einfach“.
Also nix wie los ins Badezimmer, Waschmaschine auf der Seite aufgeschraubt und Keilriemen gewechselt. Was soll ich sagen? Es ist wirklich extrem einfach. Dreimal gedreht, der Riemen sitzt und die Maschine läuft. Zugegeben: Sie macht bisweilen beunruhigende Geräusche, aber sie läuft.
Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich das hier in der Verbandszeug schreibe. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens: Ich bin extrem stolz auf diese technisch-mechanische Leistung. Ich hänge an unserer kleinen Maschine und sie selbstständig und ohne fremde (und tendenziell männliche) Hilfe repariert zu haben, ist schon ein cooles Gefühl.
Zweitens: Diese Waschmaschinen-Reparatur steht für mich sinnbildlich für einen Prozess, den wir in der DPSG immer wieder bestreiten. Learning by doing. Man lernt etwas, indem man es macht – einfach mal ausprobieren, vielleicht ein bisschen scheitern, aber auf jeden Fall daraus lernen. Unsere pfadfinderische Pädagogik setzt auf Lernen durch Erfahrung – das heißt auf Lernen durch Beobachten, Experimentieren und eigenes Erleben. Die Erlebnisse werden gemeinsam reflektiert, bewertet eingeordnet. So werden neue Einsichten und Verhaltensweisen ermöglicht. Und dieser Prozess macht einfach unheimlich viel Spaß. Egal ob es die selbstgebaute Murmelbahn im Sommerlager ist oder das selbstgekochte Essen in der Sippenstunde. Selbermachen fordert heraus, regt an, schweißt zusammen. Selbermachen macht Spaß.
Und Selbermachen lassen ist gerade in einer Gesellschaft, die immer vorsichtiger wird, in der Helikoptereltern ihre Schützlinge umschwirren und Kindheit immer mehr im digitalen Raum stattfindet, ein so wichtiger Bestandteil unserer Erziehungsmethoden. Also lasst uns mehr selber machen – in der nächsten Gruppenstunde, im anstehenden Sommerlager und zu Hause. Und lasst uns mehr selbermachen lassen. Was könnte mehr Spaß bereiten?