Über den*die Autor*in
Das Moot ist ein zehn- bis zwölftägiges, internationales Großlager, welches planmäßig alle vier Jahre stattfindet. Es wird durch die WOSM als Veranstalter organisiert. Die Teilnahme ist für Rover und Jungleitendende zwischen 18 und 26 Jahren möglich, da in einigen Ländern das Rover-Dasein bis 26 möglich ist. Beim letzten Moot in Portugal 2025 nahmen über 8.000 Menschen teil.
Das Konzept ist wie folgt aufgebaut: Nach einer gemeinsamen Opening Ceremony werden die Teilnehmenden in ihre Paths eingeteilt. In diesen Path verbringt man den Großteil des Lagers und kommt erst am Ende für drei bis vier Tage zum Maincamp wieder zusammen. Die Zwischenzeit verbringt man irgendwo im Ausrichterland.
Ein Path ist eine Gruppe aus ca. 50 Personen, wobei maximal vier Personen aus dem gleichen Land kommen dürfen. In dem Path wird der Großteil des Lagers verbracht und dort finden sich die meisten Freundschaften. Jetzt zu meinen Erfahrungen.
Ich bin im Sommer 2025 zum 16th World Scout Moot nach Portugal gereist. Ohne vorher jemanden zu kennen und es war mein bisher großartigstes Pfadfindererlebnis.
Aber von Anfang an. Los ging es im Februar 2025. Das Vorlager stand an. Dazu bin ich von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag nach Frankfurt am Main gefahren. An diesem Wochenende sind nahezu alle Mitglieder des deutschen Kontingents zum ersten Mal zusammengekommen und es gab die Gelegenheit sich untereinander kennenzulernen. Hier fand schon der erste große Austausch statt, da ja verschiedenste Regionen, aber auch Menschen aus allen Mitgliedsverbänden des rdp da waren. Der Samstag war gefüllt mit einigen verpflichtenden Workshops und vielen wichtigen Infos. So zum Beispiel das eigene Zelt.
Viel zu schnell war auch schon wieder Sonntagmittag und ich musste mich von meinen neu gewonnenen Freunden verabschieden. Nach der Rückfahrt war aber nicht etwa Funkstille, sondern einige kleine Sidequests standen an. So musste eine rdp Kluft gekauft werden, eine „Safe from Harm“ Schulung (ähnlich einer Präventionsschulung nur weniger umfangreich) absolviert und ein kleines Zelt organisiert werden. Auch die Merch-Planungen sind gestartet.
Viel schneller als erwartet bin ich (nach zehn Tagen Sommerlager) Ende Juli in Düsseldorf in ein Flugzeug gestiegen und nach Lissabon geflogen. Da die Anreise selbst organisiert werden musste, bot sich für mich die zeitlich effektivste Variante an. Andere sind mit dem Zug angereist oder gar getrampt.
Schon in Düsseldorf habe ich einen weiteren Deutschen Pfadfinder und eine Niederländerin getroffen und ab dem Zeitpunkt wurde radikal ins Englische geswitcht. In Lissabon haben wir noch weitere Pfadfinder*innen aus Hamburg und Umgebung getroffen, sodass wir schon bald zu siebt unterwegs waren. Auf dem Weg vom Flughafen zum Treffpunkt, dem „Parque Papa Francisco“, konnten wir es uns nicht verkneifen und haben schon mal die Stadt erkundet. Auf dem Weg sind wir immer wieder Pfadfinder*innen aus den verschiedensten Ländern begegnet.
Am frühen Nachmittag sind wir am Park angekommen und es ging nun offiziell mit der Anmeldung vor Ort los. Ich habe meinen Teilnehmendenausweis bekommen und weiter ging es zum Zeltaufbau. Am nächsten Morgen ging es direkt daran, das Zelt wieder abzubauen und los ging es zur Opening Ceremony. Dort wurde das Moot offiziell eröffnet und die einzelnen Path haben sich gefunden. In welchen Path ich komme habe ich ein paar Wochen vorher per App mitgeteilt bekommen. Nach der Opening Ceremony haben sich die einzelnen Path dann über ganz Portugal verteilt. Einige sind auf die Portugiesischen Inseln gereist, während andere den Süden oder den Norden des Landes bereist haben. Ich hatte das Glück nach Vila Real zu reisen.
Vila Real ist eine Stadt im Norden Portugals und die Hauptstadt der Region. Auf der Busfahrt gab es bereits viel Zeit, um die anderen kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen. Am späten Nachmittag sind wir in Vila Real angekommen und haben unsere Schlaflager in einer Turnhalle aufgebaut. Bei einem gemütlichen Abendessen und ohne großartiges Abendprogramm hatten wir auch hier viel Zeit uns auszutauschen.
Am nächsten Tag ging unser Programm erst richtig los und wir haben ein Weingut besichtigt. Nach einer kleinen Wanderung haben wir an einem Fluss unsere Mittagspause inklusive Abkühlung eingelegt. Zurück in Vila Real, haben wir die Stadt erkundet und den Abend gemütlich ausklingen lassen.
Nachdem wir am zweiten Tag erfolgreich einen Hochseilgarten und eine der längsten Seilrutschen Europas gemeistert hatten, haben wir die Aufgabe bekommen, etwas Landestypisches für den anstehenden Bunten Abend vorzubereiten. Abends haben wir dann verschiedenste Spiele und Tänze aus aller Welt ausprobiert.
Auch die nordportugiesische Natur wollten wir erkunden und so haben wir am nächsten Morgen eine Bergwanderung gemacht. Die Busfahrt wurde pfadfindertypisch natürlich mit viel Gesang begleitet, sodass die anderen Fahrgäste offensichtlich erleichtert waren, als wir wieder ausgestiegen sind…
Unser Wanderweg führte durch kleine, touristisch unerschlossene Bergdörfer, bis wir einen kleinen Wasserfall mit See erreichten. Am frühen Nachmittag ging es dann erschöpft zurück in unsere Unterkunft. Dort hatten wir Zeit für uns und es ist ein blühender Tauschmarkt an Aufnähern, Halstüchern und Merch entstanden.
Am nächsten Morgen ging es dann zurück zum Maincamp.
Das Maincamp war in einer kleinen Stadt namens Cortegaca, nahe Porto. Unser Zeltplatz war in einem Waldstück gelegen. Hier wurden die Zelte auch wieder pathweise aufgebaut. Abends gab es das große Opening des Maincamps mit einer Bühnenshow und einem Konzert am Strand.
Für die drei Tage im Maincamp war für alle Teilnehmenden wieder ein buntes Programm vorbereitet, das keine Wünsche offenließ. Diverse Workshops, Ausflüge – oder einfach nur Chillen und Zeit mit den neuen Freunden verbringen. Auch das Abendprogramm hatte mit Gesangsrunden, Talentwettbewerben, Filmabenden und Silentdisco einiges zu bieten.
Man konnte aber auch jederzeit das Maincamp verlassen und an den Strand oder in die Stadt gehen. Nach dem Abendessen gab es in der Kantine immer einen großen Tauschmarkt und man ist gut beraten möglichst viel Merch mit zum Moot zu bringen. Treu dem Motto „Ein halbleerer Wanderrucksack ist der größte Luxus beim Moot“.
An unserem letzten Tag auf dem Moot sind wir mit dem Zug nach Porto gefahren und haben dort noch einmal die Stadt erkundet. Am Abend gab es noch eine Closing Ceremony wieder mit Bühnenshow und einem Konzert und danach lagen wir uns alle zum Abschied in den Armen. Nach einem langen Abend und viele Verabschiedungen später ging es für mich früh am nächsten Morgen auf die Reise zurück nach Deutschland. Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass es ein unvergessliches und wunderschönes Erlebnis war und ich plane fest damit in 2029 als Mitglied des International Service Teams (IST) – also als Helfender – nach zum World Scout Moot in Taiwan zu reisen.
Titelbild: World Scout Bureau Inc./Sílvia Maurício
Bilder Galerie: Jon Barendregt