Pfadfinden ist politisch – jedoch nicht parteipolitisch, aber wertegebunden. Das prägt unseren Alltag von Stammes- bis Bundesebene. Wo sonst haben Kinder und Jugendliche so früh die Möglichkeit, Themen einzubringen, Projekte mitzuentscheiden oder Verantwortung zu übernehmen? Die Ordnung der DPSG betont diese Selbstbestimmung klar: Wir erziehen zu verantwortlichem Handeln und demokratischer Teilhabe. Ein ähnliches Verständnis, wenn auch mit unterschiedlichen Schwerpunkten, findet sich in allen rdp-Verbänden: In der PSG prägt die Auseinandersetzung mit Geschlechtergerechtigkeit seit jeher das politische Selbstverständnis. Der VCP wiederum verbindet seine evangelischen Wurzeln mit einer ausgeprägten bündischen Kultur, die junge Menschen zu selbstständigem politischem Handeln ermutigt. Der BdP lebt Partizipation vor allem auf Fahrt und Lager; dort entstehen Entscheidungsprozesse oft unmittelbar und sehr basisorientiert. Und im BMPPD fließen interreligiöse Perspektiven ein, die die Vielfalt unserer Gesellschaft spiegeln und politische Themen aus anderen Blickwinkeln beleuchten.
Diese unterschiedlichen Selbstverständnisse zeigen, wie breit der politische Erfahrungsschatz des rdp nrw ist – und wie wertvoll ein gemeinsames Konzept dafür ist.
Daher war die rdp nrw-Mitgliederversammlung im Herbst 2025 ein großer Moment. Dort wurde das Jugendpolitische Konzept, welches vorher monatelang durch eine verbandsübergreifende Arbeitsgruppe fast aller Mitgliedsverbände erarbeitet wurde, verabschiedet. Hinter uns lag ein intensiver Prozess, in dem wir gelebte Verbandskulturen, Konzepte und Beschlüsse aller Verbände übereinandergelegt haben und zu einem neuen Jugendpolitischen Konzept zusammengeführt haben. Bei all den Diskussionen und verschiedenen Sichtweisen, die durch solch unterschiedliche Verbandshitergründe entstehen, war der Prozess geprägt von einem gemeinsamen Ziel: pfadfinden in nrw politisch sichtbar zu machen und junge Menschen stärker an Entscheidungen zu beteiligen. Entscheidende Rahmenbedingungen und Ziele von und für Pfadfinden, etwa finanzielle Förderung, Mobilität oder Naturschutz, werden in Düsseldorf verhandelt.
Genau hier knüpft das rdp-Konzept an. In der Präambel heißt es deutlich: Pfadfinden lebt von Mitbestimmung. Und weiter: Der rdp nrw will künftig Strukturen schaffen, in denen Kinder und Jugendliche direkt auf Landesebene partizipieren können. Damit übertragen wir ein Prinzip, das wir aus der DPSG schon kennen, auf eine neue Ebene: von der Stammes- zur Landesebene. Damit bewegen wir uns im Einklang zu ähnlichen Entwicklungen, wie sie aktuell auch innerhalb der DPSG stattfinden. Die Ordnung der DPSG liefert dafür eine klare Grundlage – das Konzept von pfadfinden in nrw erweitert diese Perspektive.
Dabei haben wir als DPSG die Chance, unsere Expertise in Struktur- und Gremienarbeit, welche unsere Diskussionen in geordnete Bahnen lenkt und stärkt, einzubringen. Zeitgleich können wir von PSG, BdP, VCP und BMPPD ihrer Kultur und ihren Strukturen lernen und so gemeinsam wachsen. Insbesondere im VCP und BdP wird direkte Kinder- und Jugendbeteiligung stärker gelebt, dies ergibt sich alleine schon aus der verschiedenen Leitungskultur zur DPSG. Der BMPPD bringt dabei eine neue Perspektive ein, da in dem noch recht jungen Verband viele Strukturen schlicht noch nicht so gewachsen und tradiert sind, wie bei uns. Das ermöglicht ein kritisches Hinterfragen auch unserer Gremien. Nicht zuletzt teilen wir insbesondere mit der PSG viele Interessen, da wir als katholische Pfadfinder*innen vor ähnlichen Herausforderungen in der Finanzierung und der Beziehung zur verfassten Kirche stehen.
Selbstverständlich ist diese Entwicklung nichts, was wir von außen den Mitgliedsverbänden überstülpen können, stattdessen muss eine gemeinsame Kultur der Partizipation und des interverbandlichen Austausches wachsen. Als Dachverband möchten wir diesen Weg begleiten, euch für diesen Prozess begeistern und bei konkreten Schritten unterstützen. Eine lebendige Mitbestimmungskultur entsteht eben nicht über Nacht. Sie wächst dort, wo Menschen miteinander in Austausch kommen. pfadfinden in nrw möchte Formate schaffen, die diese Kultur fördern: regelmäßige Treffen zwischen den Verbänden, thematische Foren zu jugendpolitischen Schwerpunkten, digitale Beteiligungstools und vieles mehr.
Das Jugendpolitische Konzept für pfadfinden in nrw identifiziert zunächst Kernthemen, von denen wir wissen, dass viele Verbände daran arbeiten. Seien es Themen wie die Stärkung des Ehrenamtes, bei dem insbesondere wir als Dachverband durch Aspekte wie Sonderurlaub und Erstattung von Verdienstausfall arbeiten; Naturschutz, was durch die Arbeitskreise Ökologie bearbeitet wird oder Queeres Pfadfinden, bei dem einige Verbände (allen voran der BdP und die DPSG Köln) bereits starke Expertise aufzeigen. Unser Ziel ist es, Arbeitskreise, aber auch einzelne Interessierte landesweit zu vernetzen, um so unsere Positionen zu schärfen und auf ein basisdemokratisches Fundament zu setzen.
Wir haben im Jugendpolitischen Konzept Ziele definiert. Dies ist jedoch erst der Anfang. Nun heißt, uns gemeinsam auf den Weg zu machen, diese Ziele zu erreichen. Wir wissen, dass wir künftig landesweit Pfadfinder*innen zu jugendpolitischen Themenfeldern befragen und ihre Meinung hören wollen. Die exakte Ausgestaltung, wie wir diese Stimmen einfangen liegt aber noch vor uns. Wenn ihr Ideen und Anregungen habt, wie wir hier weitergehen können, dann schreibt mir gerne und gemeinsam entwickeln wir eure Vorschläge fort.
Als größter Pfadfinder*innenverband in NRW bringt die DPSG eine starke Stimme in den Ring ein. Viele Themen, die wir bundesweit diskutieren – Nachhaltigkeit, Internationalität, Inklusion, Engagementförderung – haben enorme Relevanz für die Landespolitik.
Durch das neue Jugendpolitische Konzept können wir diese Impulse gezielter platzieren. pfadfinden in nrw wird zum politischen Sprachrohr, das wir als Verbände gemeinsam nutzen, das aber auch nur so stark ist wie unser gemeinsames Engagement.