Über den*die Autor*in
Den findigen Pfadi-Expert*innen fällt beim Titel der aktuellen Ausgabe natürlich sofort eines auf: „Sag es!“ klingt wie der Pfadi-Stufen-Leitspruch „Wag es!“. Natürlich ist das kein Zufall. Und abgesehen davon, dass unsere Abwandlung vielleicht direkt grüne Glücks-Gefühle auslöst, besteht ja auch ein inhaltlicher Zusammenhang: Denn die eigene Meinung zu äußern, erfordert zunächst einmal Mut.
Diese Fragen hat sich vermutlich jede*r von uns schon einmal gestellt. Und dass gerade Kinder und Jugendliche sich diese Frage stellen, ist wenig verwunderlich. Schließlich ist unsere Gesellschaft nicht besonders kinder-mitbestimmungs-freundlich. Im Gegenteil: Der Alltag von Kindern ist erst einmal fremdbestimmt. Erwachsene entscheiden für sie, was sie anziehen, was sie essen, was sie in ihrer Freizeit machen und wann sie ins Bett gehen.
Die Entscheidungsräume, die Kinder haben, sind eher begrenzt. Gerade deshalb ist es wichtig, ihnen einen Raum zu bieten, in dem sie lernen können, sich eine eigene Meinung zu bilden, die zu äußern und mit anderen darüber zu verhandeln.
Ich hätte diesen Text auch dystopisch beginnen können – oder vielleicht auch nur realistischer? Denn wer auf heutige politische Umfragen schaut, der bekommt schnell das Grauen. Vor allem, wenn man sich die Zustimmungswerte junger Menschen zu rechtsextremistischen Positionen anschaut.
Ich glaube: Wenn mehr Menschen Demokratie im Jugendverband gelernt hätten, wären wir heute nicht bei diesen Wahlergebnissen. Denn wer bei uns lernt, was es heißt, gemeinsam Entscheidungen zu treffen und Kompromisse zu schließen, der lernt gleichzeitig, Respekt vor der Meinung des anderen zu haben.
Doch wir wollen in dieser Ausgabe der Verbandszeug nicht vor Selbstlob vergehen. Denn wie oft wäre auch bei uns mehr Partizipation möglich… Wie viele Stammesversammlungen vergehen, ohne dass kein einziger Antrag gestellt wird? Wie viele Stufenkonferenzen sind nicht beschlussfähig? Und wie oft entscheiden Leitende ohne Beteiligung der Gruppenkinder, was in der Gruppenstunde passiert?
Also lasst uns bei uns selbst anfangen und schauen, wo unsere Ansätze schon gut funktionieren, aber auch wo wir noch besser werden können. Wir werfen außerdem einen Blick auf unsere Einflussmöglichkeiten auf die Politik und wir haben andere Jugendverbände gefragt, wie Mitbestimmung in ihrem Verband funktioniert – bestimmt können wir etwas lernen. Also: Wag es und sag es! Denn deine Stimme zählt. In diesem Verband und in unserer Gesellschaft. Wir alle brauchen mehr demokratische und mutige Stimmen, die unseren Alltag zum Positiven verändern.
Titelbild: Andreas Krüskemper