Über den*die Autor*in
Mein Bus hatte Verspätung. Jetzt hab ich meinen Zug verpasst und muss am Gleis auf den nächsten warten. Ein Mann läuft einige Meter entfernt von mir über den Bahnsteig. Er trägt abgetragene Kleidung und hat fettiges Haar. Ist sicher obdachlos. Der soll mich jetzt bloß nicht nach Kleingeld fragen.
Wir alle tun es immer wieder, ganz automatisch, meist ohne darüber nachzudenken: Menschen vorschnell verurteilen. Wir sehen jemanden und lassen unseren ersten Eindruck von dieser Person in uns eindringen. Hast du schonmal versucht, dir nicht zu schnell eine Meinung über jemanden zu bilden? Wir alle sollten aufmerksam darauf achten, anderen nicht einfach einen Stempel aufzudrücken. Um diesem Automatismus entgegenzuwirken, hier eine kleine Challenge:
Mach ein (Gummi-)Armband um eines deiner Handgelenke. Am besten eines, das sich leicht wieder abstreifen lässt. Ziel der Challenge ist es, das Armband 21 Tage lang am gleichen Arm zu tragen. Allerdings musst du den Arm immer dann wechseln, wenn du über jemanden urteilst. Dieses Urteil musst du dafür gar nicht laut ausgesprochen haben. Verurteilen fängt schon da an, wo man jemand anderen in Gedanken in eine Schublade steckt. Wie negativ oder positiv dieses Urteil ausfällt, spielt dabei keine Rolle.
Grundsätzlich geht es gar nicht darum niemals wieder ein Urteil über jemanden zu fällen. Es geht vielmehr darum, dafür sensibilisiert zu werden, wie häufig und wie selbstverständlich wir Menschen verurteilen. Das Armband soll dich daran erinnern, deine eigene Meinung zu hinterfragen. Denn das, was wir als einzelne wahrnehmen, ist immer nur eine Seite einer Geschichte.