Bei „Wohlfühlen“ denke ich zunächst an Wellness, Saunalandschaft, Frisör und Beauty-Abteilungen. Hier finden sich auffallend viele Buddha-Darstellungen. Ein Kreuz oder eine Marienstatue würden vermutlich befremdlich wirken. Passt Christentum und Wohlfühlen auch zusammen? „Na klar!“, meine ich.
Eigentlich sind die Buddhafiguren der richtige Hinweis. Der „Erwachte“, wie die Ehrenbezeichnung Buddhas wörtlich übersetzt werden könnte, wird meist als aufrichtig, meditierend, manchmal lächelnd und entspannt dargestellt. Die Lehre und Haltung des Buddhismus sind in den Figuren kaum erkennbar. Der wesentliche Teil aber ist für mich, dass es um Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Konzentration und Sein-Lassen geht.
Es geht um Spiritualität. Aber was ist?
Bei Spiritualität geht es um Geist, vielleicht noch besser um Geisteshaltung. Umgangssprachlich wird das Wort mit Frömmigkeit gleichgesetzt, was aber nur ein Teil davon ist. In der DPSG verwenden wir den Begriff vielfältig, aber doch typisch christlich. Spiritualität ist ein Zugang zur Wirklichkeit. Sie ist die Art und Weise wie wir uns das Leben und Gott erschließen, verstehen und die Beziehung dazu gestalten. Menschen fragen nach dem Sinn ihres Daseins und sind auf der Suche nach dem, was über das Alltägliche und Begreifbare hinausgeht. Mit dieser Verwendungsweise haben wir eine große Schnittmenge mit vielen anderen Religionen und Weltanschauungen.
Ist Religion das gleiche?
Wir leben in der Traditions- und Glaubensgemeinschaft der katholischen Kirche. Das Leben Jesu Christi und die biblische Botschaft, das Zeugnis vieler Menschen und der Glaube der Kirche können uns herausfordern und vielleicht auch aufregen. Spiritualität bedeutet, dass ich meine Überzeugungen lebe und über mich hinausschaue – auch über meine Lebensspanne hinaus. Es geht dabei hauptsächlich um Erfahrungen, weniger um intellektuelle Überlegungen. Von Religiosität spricht man, wenn es um Ausdrucksformen des Glaubens geht (Gottesdienst, Frömmigkeit, Ehrfurcht vor der kirchlichen Ordnung, u. Ä.). Spiritualität beschreibt dagegen die (Geistes-) Haltungen und die Beziehung, die immer mit unserem Glauben zu tun hat.
Die Basisurkunde des christlichen und des jüdischen Glaubens ist das Zeugnis der Bibel. Grundbotschaft ist: Wir verdanken Gottes Liebe, dass wir da sind und dass es überhaupt etwas gibt. (Es könnte ja auch einfach nichts geben.) Wir Menschen haben uns nicht selbst ins Dasein gerufen. Unser Leben kann eine Antwort auf diese Grunderfahrung sein. Deshalb feiern die Katholikinnen und Katholiken eine bestimmte Gottesdienstform, die Heilige Messe, die als „Eucharistie“ bezeichnet wird. Das griechische Wort ευχαριστειν (eucharistein) bedeutet “danken”.
Danken tut gut
Nach anstrengenden und ärgerlichen Tagen hilft es mir, dass ich für das Gute eines Tages danken kann. Das mache ich sogar im Gebet mit unseren Kindern: „Guter Gott, der Tag war lang, für alles Gute sag ich Dank…“ und da fügen wir dann gute Erlebnisse ein. „Nur um eins, da bitt ich dich, segne diese Welt und auch mich.“
Dieses Gebet verändert den Blick und manchmal auch die Gefühle.
Danken tut auch denen besonders gut, die sich nutzlos oder wirkungslos fühlen. Menschen, die lange unter Arbeitslosigkeit leiden oder aufgrund von Krankheit oder Alter wenig tun können, fühlen sich manchmal überflüssig. „Danke“ oder „gut, dass Du da bist“ oder „wenn du das nicht tun würdest, würde etwas fehlen“ kann wie eine Therapie wirken. Mit solchen Botschaften kann man auch schwere Zeiten überstehen.
Hier ein Vorschlag
Dank sammeln: Hebe dir Karten, Nachrichten im Messenger oder Erinnerungsstücke auf, die Dich an dankbare Momente erinnern oder auch an Menschen, die Dir dankbar sind.
Danke üben: Sag Menschen, die Dir guttun, „Danke“ und erinnere Dich am Ende eines Tages daran. Wenn es zu Dir passt, verbinde das mit einem Dank an Gott.
Unser Gründer hat uns einen Hinweis dazu gegeben: “Wann immer du eine Freude oder ein gelungenes Ereignis genießt oder erfolgreich eine Sache tust, danke Gott dafür.” (Lord Robert Baden-Powell)