Vorurteile gegen Geflüchtete – Widerlegt 

In den Debatten über Flucht und Migration kursieren jede Menge Behauptungen, die nicht wahr sind oder viel zu kurz greifen. Viele Vorurteile verzerren das Bild von Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen. Einige der Vorurteile möchte ich hier näher beleuchten und […]

In den Debatten über Flucht und Migration kursieren jede Menge Behauptungen, die nicht wahr sind oder viel zu kurz greifen. Viele Vorurteile verzerren das Bild von Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen. Einige der Vorurteile möchte ich hier näher beleuchten und widerlegen. 

„Geflüchtete sind kriminell.“ 

Wenn wir nur auf die Zahlen schauen, stimmt die Aussage: Im Jahr 2017 sind circa 2 % der Menschen in Deutschland Geflüchtete, aber circa 8,5 % von allen Tatverdächtigen sind Geflüchtete.  
[Alternative: Wenn wir nur auf die Zahlen schauen, stimmt die Aussage: Geflüchtete stehen öfter unter Tatverdacht als Nicht-Geflüchtete.]  

Allerdings müssen wir hier vorsichtig sein, denn viele Geflüchtete sind junge Männer. Und ganz allgemein begehen junge Männer mehr Straftaten als Frauen, Kinder oder ältere Männer. Hinzu kommt: Je ‚fremder‘ eine tatverdächtige Person wirkt, desto eher wird sie angezeigt. Und Geflüchtete, die eine Bleibeperspektive haben, sind weniger kriminell, als Menschen, die befürchten, bald abgeschoben zu werden. Außerdem ereignen sich viele Straftaten in den Geflüchteten-Unterkünften, wo die Menschen praktisch keine Privatsphäre haben.  

Die Kriminalität von Geflüchteten ist also nicht auf die Herkunft zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine Reihe anderer Faktoren. 

„Geflüchtete nutzen den deutschen Sozialstaat aus.“  

Menschen, die sich auf die Flucht begeben, nehmen oft enorme Risiken auf sich, wie eine Fahrt über das Mittelmeer in einem Schlauchboot. Ob sie das tun, um dem deutschen Staat auf der Tasche zu liegen, ist mehr als fraglich. Lebensbedrohliche Situationen wie Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Verfolgung und Hunger sind eher die Gründe, warum Menschen fliehen.  

Dass Geflüchtete gerne nach Deutschland kommen, liegt laut einer Umfrage zwar auch an der sozialen Absicherung (das sagten 26 % der Befragte), aber vielmehr daran, dass hier die Menschenrechte geachtet werden (73 %), das Bildungssystem einen guten Ruf hat (43 %) und sie sich in Deutschland willkommen fühlen (42 %).  

Gegen das Vorurteil spricht außerdem, dass 93 % der Geflüchteten angeben, in Deutschland arbeiten zu wollen. Und Menschen, die hier arbeiten, zahlen auch Steuern und unterstützen so den deutschen Sozialstaat.  

„Geflüchtete aus dem Balkan sind nur Wirtschaftsflüchtlinge.“ 

Zwar herrscht im Balkan kein Krieg, aber vor allem in Serbien und im Kosovo werden Roma stark diskriminiert. Viele leben in existenzieller Not, weil sie weder eine Wohnung noch einen Job bekommen und Hunger leiden. 

„Geflüchtete sorgen für eine kulturelle Überfremdung.“ 

Mal abgesehen davon, dass sich Kultur ständig im Wandel befindet, Veränderungen Gutes mit sich bringen können und es überhaupt schwierig ist, über Regionen hinweg eine ‚deutsche Kultur‘ auszumachen, gibt es wenig Gründe zur Beunruhigung. Denn zum einen hat Deutschland seit jeher erlebt, wie Menschen gekommen und gegangen sind. Somit ist die heutige ‚deutsche Kultur‘ von Menschen unterschiedlicher Herkunft geprägt. Und zum anderen zeigt eine Umfrage unter Geflüchteten, dass sie grundlegende Wertevorstellungen teilen: Ebenso wie deutsche Bürger*innen sind sie Befürworter*innen der Demokratie und der Gleichberechtigung von Männern und Frauen.  

„Geflüchtete bekommen mehr Geld als Deutsche.“ 

Bei diesem Vorurteil werden zwei bedürftige Gruppen gegeneinander ausgespielt. Fakt ist: Asylbewerber*innen bekommen in Deutschland weniger Geld als Hartz-IV-Empfänger*innen. Und Geflüchtete, deren Asylverfahren beendet ist und die keinen Job haben, bekommen Hartz IV bzw. Arbeitslosengeld II, also genauso viel wie Menschen, die schon ihr Leben lang in Deutschland leben. 

„Deutschland kann nicht die ganze Welt aufnehmen.“ 

Das verlangt auch niemand. Auf der Welt sind 71 Millionen Menschen auf der Flucht. Ein Großteil der Menschen kommt nicht nach Europa. Viele von Ihnen bleiben in ihrem Heimatland oder suchen Schutz in Nachbarländern.  

In Deutschland leben 1 Millionen anerkannte Flüchtlinge. In der Türkei sind es 3,7 Millionen und auch in Pakistan, Uganda und dem Sudan leben mehr Geflüchtete als in Deutschland. Damit liegt Deutschland immerhin auf Platz fünf der Aufnahmeländer.  

Allerdings wohnen in Deutschland auch sehr viele Menschen. Wenn wir uns die Zahlen mit der Bevölkerungszahl in Beziehung setzen, bekommen wir ein ganz anderes Bild: So nimmt der Libanon knapp 1 Millionen Geflüchtete auf – also ähnlich viele wie Deutschland. Im Libanon leben aber nur 6 Millionen Menschen. D.h. jeder sechste Mensch, der im Libanon lebt, ist ein Flüchtling. Wäre das in Deutschland der Fall, würden in Deutschland 14 Millionen Geflüchtete leben.  

Obendrein ist Deutschland, im Vergleich zum Libanon und Sudan, ein wirtschaftlich reiches Land.  

Falls ihr euch mit euren Pfadis oder Rovern mit dieser Thematik auseinandersetzen wollt, bietet der Artikel hier euch vielleicht einen ersten Überblick über das Thema. Eine genauere Recherche können wir euch aber nicht abnehmen – als weiteren Einstieg greift aber gerne auf die hier genutzten Quellen (zu finden auf Seite ?) zurück und vertieft euer Wissen mit Büchern, Internetseiten… 

 Ihr könnt euch auch gerne bei uns melden, falls ihr Fragen zur Thematik oder zur Umsetzung in der Gruppenstunde habt! 

Mehr Informationen online findet ihr zum Beispiel hier: 

https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/faktencheck/
https://www.der-paritaetische.de/schwerpunkte/vielfalt-ohne-alternative/fakten-gegen-vorurteile/ 
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-06/fluechtlinge-integration-arbeitsmarkt-sprachkurse-wohnungen-daten#wie-viele-gefluechtete-haben-einen-job

Über den*die Autor*in

Jonas Wysny