Was uns gut tut und was mir die Pfadfinderschaft bedeutet 

Es war einmal ein junger Bursche, war 12 Jahre alt, hieß Ludwig Tovar und lebte in Beckum. In seiner freien Zeit spielte er mit seinen Nachbarsjungen auf dem Bolzplatz an […]

Es war einmal ein junger Bursche, war 12 Jahre alt, hieß Ludwig Tovar und lebte in Beckum. In seiner freien Zeit spielte er mit seinen Nachbarsjungen auf dem Bolzplatz an der Realschule in der Nähe Fußball. Die Mitspieler waren meist aus seiner Schulklasse in der Antonius-Grundschule, einige Ältere waren auch dabei und führten die Mannschaften an. 

Einer der älteren Nachbarsjungen erzählte so beiläufig, dass er Pfadfinder sei und immer im Raum unter der Liebfrauenkirche mit gleichaltrigen Jungen eine tolle Gruppenstunde veranstaltet würde. Er hätte dort schon gelernt, wie man einen Knoten bindet, Hölzer ganz ohne Nägel miteinander verbindet oder sich mit geheimen Morsezeichen verständigen könnte. Das mache viel Spaß und in einem kleinen Buch würden alle diese Dinge aufgeschrieben und festgehalten, und wer alle Proben bestanden hat, werde in die Sippe aufgenommen und gehöre dann zur großen Gemeinschaft der Pfadfinder, von denen es in der ganzen Welt Mitglieder gibt. Das hörte sich für mich sehr spannend an, und ich wollte einmal sehen, wer da alles mitmacht und wer dort der Anführer war. 

Gesagt, getan. Die Truppstunden waren immer samstags und nach einigen Nachmittagen wurde ich in den Trupp Landuis aufgenommen. 

So kam ich zu den Pfadfindern, wurde in den Jungpfadfinder-Trupp aufgenommen und gleich im Sommer fand ein Lager 1965 in Tirol in der Wildschönau statt. Ich durfte mitfahren und mit einem Omnibus ging es auf große Fahrt, viele meiner Mitfahrer waren bei mir in der Klasse und wir erlebten tolle drei Wochen in den Bergen. 

Meine Schwester und mein Schwager waren auch bei den Pfadfindern in Liebfrauen und Schwager Franz leitete einen Jungpfadfinder-Trupp. 

So gingen die Jahre ins Land, aus dem Jungpfadfinder-Alter war ich längst heraus, und ich wurde Trupphelfer bei Schwager Franz und lernte so auch die anderen Pfadfinder aus der Liebfrauen-Gemeinde kennen. Als ich 20 Jahre alt war, lernte ich Georg Bienemann kennen, der im Jahre 1970 als Diözesanreferent für die Jungpfadfinder-Stufe in Sendenhorst im Diözesanbüro wohnte. Er sprach mich an, ob ich nicht Lust hätte, als Referent für die Jungpfadfinder im südöstlichen Münsterland tätig zu werden. Ich sagte zu und meine Mitstreiter waren Magnus Weidlich aus Oelde und Ferdi Leifeld aus Ahlen, wir drei waren nun für die Juffi-Stufe im Kreis Warendorf zuständig. 

Sehr oft trafen wir uns im Büro in Sendenhorst und auch viele Tagungen und Infotreffen fanden in den kommenden Jahren statt, viele auch im Gilwell in Haltern. Lange Zeit war ich im Bezirk aktiv, habe viele Lager und Treffen organisiert oder an der Vorbereitung teilgenommen, und die Pfadfinderei bedeutete mir sehr viel. 

Da ich neben der Pfadfinderei noch das Hobby Fußball hatte, war eine Auszeit von der DPSG angesagt, bis ich mit meiner Schwester zum Stammesjubiläum nach Sendenhorst gefahren bin, bei dem ich meinen alten Freund Georg Bienemann wiedertraf, der Mitglied bei den Freunden & Förderern in der Diözese Münster und außerdem der Leiter des Archivteams war. Auch ich bin alsbald im Jahre 2013 dieser Gruppe beigetreten und seit dieser Zeit wieder verstärkt bei den Pfadfindern aktiv. Im Jahre 2017 wurde ich vom Diözesanvorstand zum Leiter des Archiv- und Geschichtswesens ernannt und wurde somit Mitarbeiter in der Diözese. 

Pfadfinder sein bedeutet mir sehr viel in meinem Leben. Viele Freunde habe ich im Laufe der Jahrzehnte kennen gelernt und viele haben mein Leben beeinflusst. Einige krankheitsbedingte Rückschläge musste ich wegstecken, die Pandemie in den letzten Jahren konnte mich nicht dazu bringen, der Pfadfinderei den Rücken zu kehren und viele Begegnungen mit Freunden und Weggefährten haben mich bestärkt, an das Gute zu glauben und daran, dass die Pfadfinderei mir Halt gibt und mich bestärkt, am Leben teilzunehmen. 

Über den*die Autor*in

Ludwig Tovar