Alle drei Jahre finden die European Scout and Guides Conferences der beiden Weltverbände WOSM und WAGGGS statt. Dieses Jahr fanden die Europakonferenzen vom 19. – 23.07.2025 in Wien, Österreich statt. An den Europakonferenzen kommen Delegationen aus allen Mitgliedsverbänden der Europa Region zusammen. Die Delegationen bestehen aus Mitgliedern des Bundesvorstands, den International Comissioners und zum Teil Jugenddelegierte, aber zum Teil auch andere Personen mit weiteren Funktionen in ihren Mitgliedsverbänden oder Freiwillige auf der Europa- oder Weltebene.

Die deutsche Delegation für dieses Jahr bestand aus insgesamt knapp 25 Personen. Aus jedem der fünf rdp-Mitgliedsverbänden waren Delegierte vertreten und erstmals waren auch aus allen fünf Mitgliedsverbänden Jugenddelegierte mit dabei. Insgesamt waren wir 8 Jugenddelegierte. Für den BdP waren Chip und Paul, für den VCP Lili und Ruben, für die PSG Rebecca und für den BMPPD Bilal dabei. Die DPSG haben Frieda und ich, Joscha, vertreten.
Die Europakonferenz kann man sich als große Bezirksversammlung vorstellen. Als Jugenddelegierte, auch Young Delegate genannt, vertreten wir die Perspektive junger Menschen der Mitgliedsverbände und sollen diese Perspektive auch immer wieder in die Diskussionen und Entscheidungen der Delegation und der Konferenz einbringen. Im Vorbereitungsprozess mit der gesamten Delegation haben wir von Anfang des Jahres bis zur Konferenz im Juli mitgearbeitet.
So circa einmal im Monat haben wir uns in der WOSM-Delegation getroffen und über den aktuellen Stand gesprochen. Bevor die Antragsfristen abgelaufen sind, haben wir in Kontakt mit anderen Delegationen Anträge noch mitgeschrieben, diskutiert und sekundiert. Sekundieren heißt, dass man Anträge von anderen Ländern unterstützt, damit diese dann auf der Konferenz überhaupt zur Abstimmung stehen. Auch die Berichte und Kandidat*innen für das European Scout Committee waren Thema für die Videokonferenzen. Abseits der inhaltlichen Vorbereitung haben wir auch das organisatorische Drumherum besprochen. Hierbei hat jede*r in speziellen Gruppen Aufgaben übernommen. Ich war für die Organisation für den internationalen Abend und die Begleitung per Social Media zuständig. Andere Bereiche waren das Gastgeschenk, Partnerschaften, das gemeinsame Delegationsessen und noch einige weitere.
Ende Juni haben wir uns als Delegation auch einmal in Kassel im Bundeszentrum des VCP getroffen. Dort haben wir dann über die eingereichten Anträge geredet und diskutiert und weitere Zuständigkeiten bei den Anträgen verteilt. Die Anträge haben wir in Kleingruppen von zwei bis drei Personen bis zur Abstimmung in Wien gemonitort, also verfolgt wie die Stimmung von anderen Delegationen ist und wie und ob wir uns als Delegation aktiv für unsere Meinung einbringen wollen und sollten.
Auf der Konferenz selbst haben wir weiter viel mitgearbeitet und durften zum Teil auch Wortbeiträge in Diskussionen und Plenumsphasen einbringen. Als Jugenddelegierte konnten wir also nicht nur dabei sein, sondern auch die Vorbereitung und Konferenz aktiv mitgestalten und mitbestimmen.
Mitbestimmung ist ein Thema, welches auch auf den höheren Ebenen immer größer geworden ist. Und trotzdem bleibt dieses Thema eine ständige Baustelle. Ein Beispiel sind die Kandidat*innen für das European Scout Committee, der „Vorstand“ der WOSM Europe Region. Der jüngste Kandidat war 24 Jahre alt, während die Mehrheit der Kandidat*innen über 30 Jahre alt war. Diesem Thema sind sich die meisten Personen bewusst und deshalb gibt es für den nächsten 3 Jahres-Plan, der sogenannte Regional Scout Plan, auch Fokuspunkte, die „Youth Leadership and Empowerment“ fördern sollen. „Youth Leadership and Empowerment“ bedeutet in diesem Zusammenhang die Jugend, häufig ab Roveralter, in ihrer Entwicklung, ihrer Meinungsbildung und ihrem Engagement gefördert werden soll.

Durch Entwicklung von entsprechenden Programmen, Projekten oder Ratgebern bis hin zum Monitoring durch Umfragen oder Ähnliches. Es gibt zum Beispiel die Guide and Scout Academy, eine jährliche in Zusammenarbeit mit WAGGGS stattfindende Veranstaltung für junge Erwachsene aus Europa, oder die Agora, eine sehr ähnliche Veranstaltung. Aber WOSM führt nicht nur spezifische Veranstaltungen in Europa durch, sondern WOSM-Freiwillige sind auch auf anderen Veranstaltungen vertreten. Letztes Jahr auf dem Roverway, ein internationales Lager für Rover*innen ab 16 Jahren, in Norwegen wurden diverse Umfragen durchgeführt als auch Workshops und Programm angeboten.
Das Thema Mitbestimmung wird also vielfältig gelebt und diskutiert, aber es gibt wie überall immer noch Spielraum nach oben und jede und jeder kann seinen Beitrag leisten und Pfadfinden international mit gestalten. Die Möglichkeiten sind schier unendlich und es lohnt sich die Augen offen zu halten. Am besten kannst du das über die vielen Instagram-Kanäle oder Webseiten. Hier ist einmal eine kurze, beispielhafte Übersicht von verschiedenen Seiten: bei Instagram sind das @dpsg.international, @rdppfadfinden, @scoutingineurope und als Internetseiten www.pfadfinden-in-deutschland.de , www.scout.org/where-we-work/regions/europe oder dpsg.de .
Weitere Möglichkeiten sich zu engagieren und einzubringen sind auch die verschiedenen Arbeitskreise bei uns in der Diözese oder auf Bundesebene, wie der AK Internationales oder der AK Globale Gerechtigkeit (bis vor kurzem noch Internationale Gerechtigkeit). Wir freuen uns immer über Interesse und das ein oder andere Schnuppermitglied.