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Eine Mini-Umfrage zur Wahrnehmung von Pfadfindern bei Nicht-Pfadfindern
Jeder von uns hat es schon erlebt. Vermutlich auch mehr als einmal. Aus irgendeinem Grund hat man sich auf einer Party als Pfadfinder geoutet und mindestens einen dieser Typen angetroffen:
Der/die verwundert Vorsichtige: „Pfadfinder? Ach, die gibt’s noch?“
Der/die polemische Spaßvogel: „Und? Hast du heute schon Kekse verkauft/einen Baum umarmt/eine gute Tat vollbracht/Würmer gegessen?“
Der/die zynisch Ignorante: „Wie, ihr seid nicht rechtsradikal? Wofür habt ihr dann die Uniformen?“
Damit ist es ja eigentlich klar. Für Nicht-Pfadfinder existieren wir entweder gar nicht oder sie finden uns merkwürdig, denken über uns in Klischees und machen sich dementsprechend lustig. Wir haben es oft genug erlebt. Wir wissen, was ihr denkt!
Und wenn wir uns jetzt mal kurz beruhigen und darüber nachdenken, fällt doch auf: Wir wissen es ja eigentlich nicht. Wir glauben es zu wissen.
Und immer, wenn man glaubt zu wissen, dass jemand etwas bestimmtes denkt, gibt es eine Methode, die uns in der Praxis leider viel zu selten einfällt: Nachfragen! Und das hat der Arbeitskreis Kommunikation und Medien einfach mal in Form einer Mini-Umfrage getan. Wir haben 20 Personen jeweils die gleichen drei Fragen bezüglich ihrer Wahrnehmung der Pfadfinder gestellt. Das einzige Auswahlkriterium für die Personen war dabei, dass sie keine größeren Berührungspunkte zu irgendeiner Pfadfinderorganisation haben oder hatten. Die Befragten waren im Alter von 20 bis 35 Jahren.
Natürlich ist die Umfrage nicht repräsentativ und auch sonst weit von wissenschaftlichen Standards entfernt. Aber der kleine Bereich, der hier beleuchtet wird, gibt dennoch einen ganz interessanten Ausschnitt der Stimmung gegenüber den Pfadfindern wieder. Einzelmeinungen können schließlich auch spannend und aufschlussreich sein. Daher werden einige davon hier auch in vollen Zitaten wiedergegeben.
Frage Nummer 1: Stell dir einen Pfadfinder vor und beschreibe ihn mit drei Begriffen!
Um etwas Ordnung in den Schlagwörterhaufen zu bringen, haben wir die genannten Begriffe in Gruppen zusammengefasst. Diese verteilen sich in etwa so:
11x Pfadfinder-Symbolik (z.B. „Kluft“, „Halstuch“, „Aufnäher“, „Uniform“)
10x Natur & Umwelt (z.B. „naturverbunden“, „umweltbewusst“)
6x Team & Zusammenhalt (z.B. „Teamgeist“, „Teamwork“, „Einheit“)
5x allgemeine Tugenden (z.B. „hilfsbereit“, „engagiert“, „pflichtbewusst“)
4x praktische Veranlagung (z.B. „geschickt“, „kann improvisieren“)
3x Glaube & Religion (z.B. „christlich“, „gläubig“)
Was fällt auf?
Unser optisches Auftreten scheint bei den Befragten anzukommen. Begriffe zu Pfadfinder-Symbolik wurden am häufigsten genannt. Auch ein gewisser Hang zur Natur wird uns offensichtlich nachgesagt. Interessant ist auch, dass nahezu ausschließlich positive oder neutrale Begriffe verwendet wurden. Nur ein einziger deutlich negativer Begriff kam auf. Da hält uns doch tatsächlich jemand für „langweilig“…
Frage Nummer 2: Was glaubst du machen Pfadfinder so (heute)?
Was fällt auf?
Diese teils umfassenderen Antworten sind etwas schwerer zusammenzufassen, daher geben wir hier eine Auswahl an Zitaten wieder. Dennoch lässt sich sagen, dass am häufigsten Aussagen wie „Zelten und wandern“ zu finden waren. Dicht gefolgt von den Themen „Gruppentreffen / Teams“. Außerdem kamen die Themenbereiche „Natur und Umwelt“ sowie „Engagement, Ehrenamt, Pädagogik “ vor.
Was nicht vorkam: Die Oma über die Straße bringen, Kekse verkaufen, Würmer essen und so weiter. Von den beliebten Pfadfinder-Klischees wurde lediglich eins einmalig genannt: „Jeden Tag eine gute Tat.“
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Verkaufen heute keine Kekse mehr, Spielen Bauen und basteln im Wald
Wandern und Saufen
In ihren Gruppen treffen und Zelten
gemeinsam Natur erkunden denke ich und sich treffen, vielleicht auch wandern und zelten oder gemeinschaftlich irgendwas machen wie ehrenamtliches oder Spiele. Bier trinken gehört glaube ich nicht dazu^^ ich glaube es gibt noch Zeltcamps wie früher oder Fahrten.
Sie fahren gemeinsam ins Zeltlager, engagieren sich für die Umwelt und setzen sich für die Verständigung zwischen verschiedenen Völkern und Religionen ein.
Puh. Keinen Plan. Jugendbetreuung und Ausflüge. Und vielleicht Jugendfreizeiten, um mal in den Urlaub zu fahren? So Erziehungssachen auch.
Gruppentreffen oder sonst irgendwas
Jeden Tag eine gute Tat. Und vielleicht die Welt retten?
Geocaching
Ich glaube, dass Pfadfinder ihrer Tradition treu geblieben sind und heute ähnliche Dinge machen, wie schon seit der Gründungszeit. Sprich Wanderungen, campen in der Natur. Sich generell mit der Natur beschäftigen. Lagerfeuer und Gesang und zum Teil sich aus der Natur ernähren. Aber Stämme sind m.M. nach ein Verein wie jeder andere. Sprich man muss sich an Vorschriften halten und sich Mühe geben, dass Vereinsleben so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Wie jeder andere Verein auch gilt es neue Mitglieder für sich zu gewinnen, trotz alter Traditionen mit der Zeit zu gehen und im Gespräch zu bleiben.
Bei Pfadfindern fällt mir sofort der Begriff „Zeltlager“ ein. Lagerfeuer, singen mit Gitarre, zusammen an einem Strang ziehen bei Team-Spielen. Realisierung von Projekten, gemeinnützige Arbeit.
Jugendarbeit: Zeltlager usw., Naturschutz
viel mit Kindern und Jugendlichen zusammenarbeiten, Zeit in der Natur verbringen, aufklären über Probleme in unserer Umwelt, Fähigkeiten stärken (basteln, werken, gärtnern, musizieren, singen), Abzeichen sammeln
Alles, was andere Menschen auch machen
In großen Gruppen an schönen Orten campen.
Pfadfinder treffen sich, es sind unterschiedliche Altersgruppen, die dann auch unterschiedliche Dinge unternehmen, die Kleineren spielen viel
ehrenamtlich Arbeit, Gemeindearbeit, quasi Kinderbetreuung (weil die Eltern wollen, dass ihre Kinder mit was „Vernünftigem“ beschäftigt werden), Zeltlager, Engagement für Umweltschutz (siehe naturverbunden)
Krasse Zelte bauen und Zeltlager
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Frage Nummer 3: Sind dir Pfadfinder eher sympathisch oder eher unsympathisch? Und warum?
Was fällt auf?
Juhu, man mag uns! Von den 19 verwertbaren Antworten lauten 12 „sympathisch“. Dabei sind sechs „neutral“ und nur einer ist der Ansicht, wir wären „unsympathisch“. Vermutlich ein Messdiener. Die Befragten, die mit „sympathisch“ geantwortet haben, begründen ihre Antwort oft mit den positiven Attributen, die schon bei den ersten beiden Fragen erwähnt wurden. Sie nehmen die Pfadfinder z.B. als engagiert, naturverbunden und hilfsbereit wahr. Bei den „neutral“-Antworten wird meist die fehlende Kenntnis als Grund genannt. Unsympathisch wirken wir auf eine Person aufgrund einer Abneigung gegen Uniformen und Geschichten über Missbrauchsfällen in Zeltlagern.
Mir sind Pfadfinder sympathisch, sie treffen sich zusammen in der Gruppe und sind für einander da
Weil sie bestimmt eine gute Alternative zum Schützenverein sind.
Neutral, nicht besser als Sport und andere Jugendvereine
ich habe bis heute einen leichten Neid auf Pfadfinder weil ich da immer gern teilgenommen hätte als Kind aber nie so viel draußen sein konnte 😀 also ich habe da keinen Kontakt zu gefunden und war immer neidisch auf die wenigen Kinder die da Teil davon waren. Da ich keine kenne steh ich dem ganzen total neutral gegenüber, ich habe keine genaue Ahnung was man da macht. Eher sympathisch.
Die Pfadfinder sind mir grundsätzlich symphytisch. Ich finde ihr Engagement toll. Für mich persönlich wären die Pfadfinder trotzdem nichts, Zeltlager und das bunte Chaos auf dem Lagerplatz, passen glaube ich nicht zu mir.
Sympathisch, sind bestimmt ganz nett. weil aufgeschlossen
Sympathisch: Weil ich bisher nur nette kennengelernt habe.
Neutral: der Fragesteller ist sympathisch aber keine Ahnung vom Rest
Schon eher sympathisch. Kommen loyal und vertrauenswürdig rüber
Ich bin Pfadfindern gegenüber durchaus eher positiv eingestellt. Sich in der Natur aufzuhalten und mit anderen Kindern und Jugendlichen Zeit im Freien und der Gemeinschaft zu verbringen ist in meinen Augen für junge Menschen sehr erstrebenswert. Im 21. Jahrhundert ist alles, was Kinder sensibilisiert für die Natur und sie zu einem miteinander befähigt, etwas, was gefördert werden sollte. Ich kenne mich mit den Statuten und Regeln innerhalb der Pfadfinderei nicht aus. Aber wenn die Werte, denen sie folgen, nicht die der konservativen katholischen Kirche sind, bin froh, dass Menschen sich noch ehrenamtlich engagieren und ihre Zeit für die heranwachsende Generation hergeben.
Die Vorstellung der Pfadfinder ist mir eher unsympathisch, das ist aber ein irrationales Gefühl. Ich hab von meiner Mama eine Abneigung gegen Uniformen geerbt (obwohl ich nicht mal weiß, ob Uniformen überhaupt noch eine Rolle spielen). Und Zeltlager waren mir schon immer suspekt, aufgrund von eigenen Erfahrungen und weil ich früher öfter gehört habe, dass in einem Zeltlager Kinder missbraucht wurden, das ist öfter passiert. Natürlich ist das sehr irrational und ich merke gerade, dass ich gar nicht weiß, wie das bei den Pfadfindern eigentlich abläuft, von daher kann ich eigentlich gar nicht viel dazu sagen…
eher sympathisch: Hilfsbereitschaft, ehrenamtliches Engagement
neutral, weil ich bisher keine Berührungspunkte mit Pfadfindern hatte. Die einzigen Pfadfinder kenne ich aus meist amerikanischen Filmen und Serien. Könnte mir aber vorstellen, dass sie Kindern und Jugendlichen sehr hilfreiche und wichtige Dinge vermitteln können und zudem noch Spaß machen.
Sympathisch, weil sie naturaffin sind
ambivalent. Meist sehr sympathische Einzelerfahrungen, allerdings finde ich das Uniformierte abschreckend.
Und was heißt das jetzt?
Zunächst erinnern wir uns daran, dass sich die Aussagekraft unserer Mini-Umfrage in Grenzen hält. Dies gilt zum Beispiel für die Angaben zur Sympathie, bei denen den Befragten klar war, dass sie von Pfadfindern selbst befragt werden. Könnte ja sein, dass sie nicht unhöflich sein wollten. Im Großen und Ganzen würden wir uns dennoch etwas aus dem Fenster lehnen und behaupten: das hätte deutlich schlechter laufen können. Zumal bei der ersten Frage auch nicht nach einer Bewertung gefragt wurde, sondern nach intuitiven Assoziationen und auch diese sehr positiv waren. So ganz unbeliebt sind wir anscheinend nicht.
Auch darüber hinaus liefert Frage 1 Ergebnisse, mit denen die meisten von uns vermutlich gut leben können. Mit unserer Symbolik treten wir nach außen hin auf – und sie wird anscheinend gesehen. Eine unter Pfadfindern verbreitete Naturverbundenheit lässt sich auch schwer widerlegen. Ob sie zu den zwei wichtigsten Eigenschaften der Pfadfinderei gehören sollte, muss jeder von uns für sich selbst beantworten.
Und zum Schluss noch einmal zurück zu unseren Party-Sprüchen. Und? Wissen wir, was alle denken? Dazu nur so viel: Wir haben 20 Leute gefragt, was sie denken. Und ihre Antworten waren erstaunlich nah an der Realität. Die meisten denken, dass wir Gruppentreffen abhalten und in Zeltlager fahren. Soll ja alles schon mal vorgekommen sein. Und was von den überzogenen Naturklischees wie „Bäume umarmen“ und „Würmer essen“ in den Antworten übrig bleibt, ist Umweltschutz und Naturverbundenheit. Auf jeden Fall war von Omas, Keksen, Knoten, rechter Gesinnung etc. hier nicht die Rede.
Und woher kommt jetzt der Unterschied zwischen unserer Wahrnehmung und den Ergebnissen? Beim geringen Umfang der Umfrage kann natürlich Zufall im Spiel sein. Aber vielleicht kann man diese Ergebnisse ja auch einfach mal so stehen lassen und als ein kleines Zeichen betrachten. Ein Zeichen dafür, dass es sich immer lohnt, genauer hinzuschauen, wenn wir glauben zu wissen wie Leute ticken. Dass es sich lohnt, nachzufragen, was jemand denkt. Es könnte ja zu Antworten führen, mit denen wir nicht gerechnet hätten. Und wer weiß, vielleicht stellt man am Ende sogar fest, dass es ein Vorurteil war, zu glauben, dass jemand Vorurteile hat.
Wenn also die Sprücheklopfer auf der nächsten Party wieder loslegen, wisst ihr, was ihr tun könnt. Womöglich ertappt ihr sie dabei, dass sie euch nur aufziehen wollten!