WOSM – Die Weltorganisation der Pfadfinderbewegung

Geschichte von WOSM Die Weltpfadfinderbewegung wurde im Jahre 1920 gegründet. Anlässlich des ersten Jamborees in London hatten sich die anwesenden nationalen Chief Scouts darauf verständigt in London ein Koordinierungsbüro zu […]

Geschichte von WOSM

Die Weltpfadfinderbewegung wurde im Jahre 1920 gegründet. Anlässlich des ersten Jamborees in London hatten sich die anwesenden nationalen Chief Scouts darauf verständigt in London ein Koordinierungsbüro zu eröffnen. Diese Eröffnung gilt als das Gründungsdatum der Bewegung. Das Büro wurde im Jahr 1959 nach Ottawa in Kanada verlegt, dann 1968 nach Genf in der Schweiz und schließlich im Jahr 2013 nach Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias.

Hatte die Weltpfadfinderbewegung im Jahr 1920 gerade 33 Mitgliedsländer so erhöhte sich die Anzahl der angeschlossenen nationalen Pfadfinderorganisation auf 169 im Jahr 2017. In diesen Organisationen sind derzeit ca. 51 Millionen Pfadfinder weltweit organisiert.

Die Weltpfadfinderbewegung definiert sich als eine freiwillige, nicht politische Erziehungsbewegung für junge Menschen, die für alle offen ist ohne Blick auf Geschlecht, Herkunft, Rasse oder Glauben und dem gemeinsamen Verständnis für den Zweck, den Prinzipien und Methoden, die der Gründer der Bewegung festgelegt hat. Der Zweck der Pfadfinderbewegung ist es zur Entwicklung junger Menschen beizutragen damit diese ihre vollen physischen, intellektuellen, emotionalen, sozialen und geistigen Fähigkeiten als Individuen und als verantwortliche Bürger in ihrer lokalen, nationalen und internationalen Umgebung einbringen können.

Die Struktur von WOSM

Die Weltpfadfinderbewegung hat sich eine Verfassung gegeben. Auf der Grundlage, dass jedes Land eine Stimme vertritt, ist das höchste beschlussfassende Gremium der Bewegung die Weltpfadfinderkonferenz, die alle drei Jahre stattfindet. Diese Konferenz wählt ein Weltkomitee, das zwischen den Konferenzen die Geschicke der Bewegung leitet, beschließt über das Arbeitsprogramm der kommenden Jahre nach der Konferenz und entscheidet über sonstige wichtige Angelegenheiten, z.B. wo das nächste Jamboree oder auch die nächste Weltpfadfinderkonferez stattfindet. Das gewählte Weltkomitee bestimmt dann den Vorsitzenden und zwei Stellvertreter. Das Weltkomitee entscheidet auch über die Zusammensetzung von Arbeitsgruppen und Arbeitskomitees und beruft den Weltgeneralsekretär sowie die Direktoren der Regionalbüros.

Die Weltpfadfinderorganisation hat sich in fünf Regionen aufgeteilt, die jeweils eine regionale Organisation haben, die an die Strukturen der Weltorganisation angepasst sind. Diese Regionen sind Afrika, Asien, Eurasien, Europa, Inter-Amerika.

Derzeitiger Vorsitzender des Weltpfadfinderkomitees ist der Engländer Craig Turpie, seine beiden Stellvertreter sind Andy Chapman (USA) und Jemima Nartey (Ghana). Dem Weltpfadfinderkomitee gehören mit beratender Stimme der Schatzmeister (Joseph Lau, Hongkong), der Weltgeneralsekretär (Ahma Alhendawi, Jordanien), der Chairman der Weltpfadfinderstiftung (Hector Robledo Cervantes, Mexico), die Vorsitzenden der Regionalen Pfadfinderkomitees und die gewählten Jugenddelegierten an. Jugenddelegierte können Mitglieder der Bewegung werden, die das 25. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Sie werden auf einer Konferenz, die kurz vor der offiziellen Weltpfadfinderkonferenz stattfindet, dem World Youth Forum, bestimmt.

Das Weltpfadfinderkomitee wird von sogenannten Permanenten Komitees unterstützt. Diese sind das Constitutionskomitee, das Finanzkomitee, das Auditkomitee und das Ehrungskomitee. Die Vorsitzenden dieser Komitees werden durch das Weltpfadfinderkomitee ernannt. Darüber hinaus existieren weitere Arbeitsgruppen und Workstreams, die entsprechend des verabschiedeten Arbeitsprogrammes aufgestellt werden.

In den letzten Jahren ist es gute Tradition geworden, dass die Zusammensetzung der permanenten Komitees sowie der sonstigen Arbeitsgruppen und Task Forces auf der Grundlage der Bewerbungen aufgrund einer offenen Ausschreibung ausgesucht werden. Dabei soll darauf geachtet werden, dass Männer und Frauen gleichstark vertreten sind und dass mindestens die Hälfte der Mitglieder unter 30 Jahren alt ist. Sämtliche Arbeitsgruppen und Task Forces werden für die Amtszeit eines Weltpfadfinderkomitees ernannt, die permanenten Komitees bleiben stets so lange im Amt, bis ein Nachfolgekomitee ernannt ist.

Vertretung der deutschen Pfadfinder*innen in WOSM

Da in jedem Land nur eine Nationale Pfadfinderorganisation (in Englisch NSO = National Scout Organisation) anerkannt wird muss in Ländern, die mehrere Nationale Pfadfinderverbände haben (NSA = National Scout Association) ein Dachverband, eine sogenannte Scout Federation gebildet werden, die dann das Land auf globaler und regionaler Ebene vertritt. Dies ist in Deutschland der RdP, der Ring der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Bei einer Weltkonferenz hat beispielsweise jedes Land sechs Delegierte, in Deutschland wird diese Delegation dann zwischen den verschiedenen Pfadfinderverbänden aufgeteilt. Ähnliches gilt bei den Europakonferenzen.

In den aktuellen Gremien ist Deutschland im Moment recht stark vertreten. Der RdP stellt ein Mitglied des Europäischen Pfadfinderkomitees (Lars Kramm, DPSG) sowie den Schatzmeister der Europäischen Pfadfinderorganisation (Thankmar Wagner, DPSG). Auf Weltebene vertritt Chris Polithy, BdP, den Deutschen Ring in einem ganz zentralen Workstream und Siegfried Riediger, DPSG, ist Chairman des Finance Committees.

So finanziert sich WOSM

Die regionalen und globalen Strukturen werden im Wesentlichen durch zwei Finanzquellen finanziert:

  1. Mitgliedsbeiträge, in der Höhe definiert durch das Bruttosozialprodukt des jeweiligen Landes
  2. Zuwendungen der Weltpfadfinderstiftung, die jedes Jahr knapp 5 % ihres Stiftungskapitals für die Kosten der Weltpfadfinderbewegung zur Verfügung stellt.

Daneben gibt es noch zahlreiche andere Stiftungen, die aus verschiedensten Gründen entstanden sind, z.B. durch Erbschaften. Auch sie tragen zur Finanzierung der weltweiten Organisation bei. Die Europäische Region ist vor Jahren mit einer sehr großen Erbschaft bedacht worden. Dieses Vermögen liegt in einer Stiftung und erwirtschaftet fast die gesamten Ausgaben der Europaregion, ohne dass auf das globale Budget zurückgegriffen werden muss.

In Deutschland gibt es zudem einen Ableger der Weltpfadfinderstiftung, die World Scout Foundation Deutschland. Über diese Stiftung ist es möglich für Spenden an die World Scout Foundation eine gültige Deutsche Spendenquittung zu bekommen. Die nationalen Pfadfinderorganisationen sind jedoch finanziell eigenständig und müssen für ihre eigene Finanzierung selbst sorgen.

Aktivitäten der Bewegung

Die Weltorganisation veranstaltet regelmäßig bestimmte Events. Die bekanntesten sind:

  • Die World Scout Jamborees
  • Das World Rover Moot
  • Der World Educational Congress
  • Der World Spiritual Congress
  • Andere Veranstaltungen, die aufgrund des verabschiedeten Arbeitsplanes stattfinden sollen.

In den Regionen gibt es ähnliche Veranstaltungen, in Europa z.B.

  • Regional European Jamboree
  • Die Scout Academy
  • International Commissioner Forum
  • Und ebenfalls andere Veranstaltungen, die aufgrund des verabschiedeten Arbeitsplanes der regionalen Pfadfinderkonferenz stattfinden sollen.

Internationale Pfadfinderzentren gibt es u.a. in Kandersteg (Schweiz), Kairo (Ägypten) und in Manila (Philippinen). Ein Pfadfinderzentrum in Chile musste aufgrund der finanziellen Situation aufgegeben werden.

Der programmatische Fokus der Weltbewegung liegt derzeit auf dem Wachstum der Bewegung. Mit der Vision 2023 wünscht man sich 100 Millionen Mitglieder weltweit um damit die größte Erziehungsbewegung für Jugendliche der Welt zu werden. Zudem hat sich die Weltpfadfinderbewegung sehr dem Servicegedanken für die nationalen Pfadfinderorganisationen verschrieben. In den neuen Begriffen sind das globale und die regionalen Büros „Support Center“ für die nationalen Organisationen. Damit soll klar zum Ausdruck gebracht werden, dass es sich bei der Weltpfadfinderbewegung nicht um einen hierarchisch organisierten Verein handelt, sondern um eine Bewegung, die unterstützen will.

Mitgliederstruktur von WOSM weltweit

Zumeist ist nicht bekannt, dass die meisten Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Asien beheimatet sind. Das liegt daran, dass sich in dortigen Schulsystemen die Schüler oft für einen gemeinnützige Aktivität entscheiden müssen. Die Folge ist, dass es z.B. in Indonesien, Malaysia und Thailand Millionen von Pfadfinderinnen und Pfadfindern gibt. Da viele dieser Länder muslimischen Glaubens sind, ist auch die deutliche Mehrheit der Pfadfinderinnen und Pfadfinder muslimischen Glaubens, was in unserer europazentrierten Sichtweise oft gar nicht bekannt ist. Nun wird aber vielleicht klarer, warum die Region Asien sich sehr um den Sitz des globalen Supportzentrums in Kuala Lumpur bemüht hat. Die nächstgrößte Region ist Interamerika. Hier dominieren zahlenmäßig und finanziell die Pfadfinderverbände der USA und Kanadas. Gerade in den USA gibt es Millionen von Pfadfinderinnen und Pfadfinder, wenngleich die Boy Scouts of America wegen oft sehr streng konservativer Ansichten (z.B. in Fragen der Homosexualität, der Rolle von Mädchen, usw.) in den letzten Jahrzehnten deutlich Mitglieder verloren haben.

Die gesamte Europaregion hat weniger Mitglieder als die Boy Scouts of America, allerdings hat Europa aufgrund der vielen auch kleinen Staaten immer ein stimmenmäßiges Übergewicht gegenüber den anderen Regionen. Europa besitzt 46 der 169 Stimmen (27,2 %) der Weltkonferenz hat aber nur 4,9 % der Mitglieder der Weltpfadfinderbewegung.

Eine wichtige Zukunftsregion ist Afrika. Hier ist die Weltpfadfinderbewegung sehr gefordert, für die vernünftige Ausbildung und Erziehung junger Menschen zu sorgen. Die Region Eurasien leidet im Moment stark unter den politischen Konflikten (Ukraine, Russland) und hat große inhaltliche und strukturelle Schwächen.

Generell sind in der Weltpfadfinderbewegung alle Glaubensrichtungen vertreten. In der Folge davon habe sich von der Weltpfadfinderbewegung anerkannte Unterorganisationen für die einzelnen Glaubensrichtungen gebildet. Die DPSG ist daher Mitglied der Internationalen Katholischen Konferenz des Pfadfindens, in der englischen Abkürzung ICCS, und das Abzeichen dieser Bewegung tragen die DPSGler neben der WOSM Lilie auf ihrer Kluft.

Zusammenfassung

Ich hoffe, dieser Artikel ist nicht zu komplex geraten, allerdings ist die Weltpfadfinderbewegung schon ein sehr komplexes Gebilde. Bei allen Dingen müssen die verschiedensten religiösen und kulturellen Aspekte bedacht werden. Das macht es für Außenstehende manchmal etwas schwierig, die Hintergründe von Entscheidungen zu verstehen. Es gibt, abgesehen vom Roten Kreuz und von der UNO und ihren Unterorganisationen aber keine andere freiwillige Jugendbewegung mit diesem breiten Hintergrund. Das sollte uns schon etwas stolz machen, dazugehören zu dürfen.

Über den*die Autor*in

Siegfried Riediger