Kurat*innen sind ein selbstverständlicher Teil der DPSG und unserer Stämme. Ihre Aufgabe ist klar benannt: geistliche Leitung, Mitverantwortung in der Leitung und Verbindung zur Kirche. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass diese Aufgaben heute unter veränderten Bedingungen stehen – leise, schleichend und oft ohne klaren Bruch.
Als gleichberechtigte Mitglieder im Vorstand übernehmen Kurat*innen Verantwortung für Organisation, Finanzen, Prävention, Förderanträge oder Konfliktbearbeitung. Diese Arbeit ist notwendig und gehört zur Leitung eines Verbandes dazu.
Gleichzeitig berichten viele Kurat*innen, dass genau diese Aufgaben den größten Teil ihrer Zeit und Energie binden. Geistliche Begleitung geschieht dann eher am Rand: in einzelnen Gesprächen, bei besonderen Anlässen oder in bewusst gesetzten Momenten. Nicht selten entsteht der Eindruck, dass man vor allem Vorstand ist – und Kurat*in eher dem Titel nach.
Parallel dazu verändert sich der Umgang mit Glauben im Verbandsalltag. Religiöse Fragen werden seltener explizit gestellt, spirituelle Angebote zurückhaltender genutzt. Das betrifft nicht nur Jugendliche oder Leiter*innen, sondern wirkt sich auch auf Kurat*innen selbst aus.
Wenn Glauben im Alltag wenig Raum bekommt, kann der eigene Bezug dazu ebenfalls leiser werden. Nicht als bewusste Entscheidung, sondern als Folge von Routinen, Zeitdruck und strukturellen Anforderungen. Geistliche Begleitung wird dann weniger zu einem gemeinsamen Weg und mehr zu einem punktuellen Angebot.
Auch der Kontakt zur örtlichen Pfarrei ist vielerorts lose geworden. Pfarrliche Strukturen verändern sich, Zuständigkeiten sind groß, persönliche Beziehungen schwerer aufzubauen. Pfadfinder*innenarbeit bewegt sich zunehmend in eigenen Räumen und Logiken.
Für Kurat*innen bedeutet das oft, zwischen Verband und Pfarrei zu vermitteln, ohne auf beiden Seiten fest verankert zu sein. Die kirchliche Anbindung bleibt formal bestehen, ist im Alltag aber nicht immer spürbar oder tragfähig.
All diese Entwicklungen führen nicht zwangsläufig zu Konflikten, wohl aber zu einer gewissen Verschiebung: Kurat*innen erleben sich stärker als funktionaler Teil von Leitung und weniger als geistliche Bezugsperson. Geistliche Arbeit ist weiterhin da, aber sie tritt hinter organisatorische Anforderungen zurück.
Dabei bleibt sie schwer sichtbar. Gespräche, gemeinsames Nachdenken, das Aushalten von Fragen oder Unsicherheit lassen sich kaum dokumentieren, prägen aber dennoch die Kultur des Verbandes.
In dieser Situation zeigt sich eine wichtige Erkenntnis: Kurat*innen sind nicht nur Begleiter*innen, sondern selbst unterwegs. Sie müssen keine fertigen Antworten bereithalten, sondern Räume eröffnen, in denen Glauben, Zweifel und Sinnfragen Platz haben dürfen – auch für sich selbst.
Das setzt voraus, dass Kurat*innen nicht allein bleiben mit ihren Fragen, Erfahrungen und Spannungen.
Eine mögliche und realistische Lösungsperspektive liegt in der stärkeren Vernetzung von Kurat*innenim Verband – insbesondere auf Stammes- und Bezirksebene. Regelmäßiger Austausch mit anderen Kurat*innen kann entlasten, ermutigen und den eigenen geistlichen Zugang lebendig halten.
So eine Vernetzung:
Vielleicht liegt genau hier eine Chance für die Zukunft:
Nicht alles allein tragen zu müssen, sondern das Kurat*innen-Amt auch gemeinschaftlich zu leben – im Vertrauen darauf, dass Vernetzung nicht nur organisiert, sondern auch trägt. Ein Anfang dazu ist getan: Einige Kurat*innen haben sich am 06.12.2025 in Münster getroffen, um sich zu vernetzen und auszutauschen. Entstanden sind dort unter anderem zwei Kanäle: Eine gemeinsame Signal-Gruppe und eine Cloud zum Sammeln und Teilen von Materialien für Gebete, Gottesdienste, Impulse und vieles mehr.
Bist du selbst Kurat*in oder hast Interesse an dem Bereich und möchtest einem der genannten Kanäle beitreten?
Dann melde dich jetzt bei Katja unter
Katharina.Schott@dpsg-muenster.de